Im Wald da sind die Räuber II: Mathias Kneißl

Der letzte im legendären Dreigestirn der Bayerischen Räuber ist Mathias Kneißl, der Raubschütz von der Schachermühle. Mathias Kneißl wurde am 12. Mai 1875 in Unterweikertshofen bei Dachau geboren. Seine Eltern besaßen ein Wirtshaus, um das die anständigen Bürger einen großen Bogen machten. Mutter Theresa Pascolini war die Tochter eines italienischen Krämers und die Familie bekam die Vorurteile gegen den „Katzlmacher“ deutlich zu spüren. Nach einigen Jahren veräußerten die Kneißls ihre Wirtschaft und übernahmen die Schachermühle bei Sulzemoos, um die sich bald die wildesten Gerüchte rankten.

Nach einem Kirchenraub in der Wallfahrtskirche Herrgottsruh wurde Theresa Kneißl verhaftet. Vater Kneißl floh beim Eintreffen der Gendarmen und verletzte sich bei einem Sprung in den Mühlgraben so schwer, dass er auf dem Gefangenentransport nach Dachau verstarb. Die minderjährigen Kneißl-Kinder blieben allein in der Mühle zurück. Um nicht zu verhungern begannen sie zu wildern und zu stehlen. Erst dies rief die Obrigkeit erneut auf den Plan. Als eines Tages zwei Gendarmen in der Schachermühle auftauchten schoss der 15-jährige Alois Kneißl die Männer nieder.

Obwohl Mathias Kneißl nicht geschossen hatte, wurde auch er, ebenso wie sein kleiner Bruder, der in Haft verstarb, zu einer langen Haftstrafe verurteilt. 1899 wurde er körperlich und seelisch schwer gezeichnet aus der Haft entlassen. Aufgrund eines Stadtverweises durfte er nicht zu seiner Familie nach München, sondern musste sich außerhalb der Hauptstadt niederlassen. Er fand Arbeit als Tischler, wurde aber bald von Gerüchten über seine Vergangenheit eingeholt und entlassen. Neue Arbeit konnte er aufgrund seiner Vorgeschichte nicht mehr finden. Ohne jede Chance beschloss er, gemeinsam mit einem ehemaligen Zellengenossen, einen Raubüberfall zu begehen. Mit seiner Freundin Mathilde Danner träumte er von einem Neuanfang in Amerika. Das Geld für die Überfahrt wollte er durch diesen Raub beschaffen. Der Raub glückte, doch die Beute war nicht groß. Als der Komplize kurz darauf verhaftet wurde, schob er alle Schuld auf Mathias Kneißl, so dass dieser erneut ins Zielrohr der Fahnder geriet. Im November 1900 wurde er vom Flecklbauer, auf dessen Hof er Unterschlupf gesucht hatte, verraten. Dabei schoss er die beiden Gendarmen, die ihn verhaften wollten, nieder.

Von nun an wurde er als Staatsfeind gejagt und obwohl ihn die Bevölkerung unterstützte, wurde er am Morgen des 4. März 1901 verraten und in Geisenhofen verhaftet. Das Gebäude, in dem er sich aufhielt, wurde sturmreif geschossen. Schwer verletzt brachte man ihn nach München, wo ihn der Leibarzt des Prinzregenten persönlich für den Prozess wieder zusammengeflickte.

Am 14. November begann der Prozess. Obwohl Mathias Kneißl beteuerte, dass er die beiden Gendarmen nicht hatte töten wollen und die Mitschuld der Gesellschaft an seinem Schicksal anprangerte, wurde er zum Tode verurteilt. Am 21. Februar 1902 wurde er in Augsburg enthauptet.

(Karl, Michaela [2003]: Sozialrebellen in Bayern. Friedrich Pustet Verlag. Regensburg)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

Sekundärliteratur:

Bachmann, Christoph: Kriminalfälle (19./20. Jahrhundert). In: Historisches Lexikon Bayerns, URL: http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_46390, (25.02.2014).



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