Räuberliteratur

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Friedrich Schiller, Gemälde von Louis Ammy Blanc 1861.

Seit dem 18. Jahrhundert erfreut sich Räuberliteratur bei Schriftstellern und Lesern gleichermaßen großer Beliebtheit. Schon die klassischen Dichterfürsten griffen Räubermotive auf und trugen dazu bei, die Gestalten der Wälder zu verklären und zu romantisieren. Die sechs Bände Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann von Goethes Schwager Christian-August Vulpius und Friedrich Schillers 1782 uraufgeführter Klassiker Die Räuber sind nur die berühmtesten Beispiele für eine wahre Flut von Räuberliteratur, die zu dieser Zeit den Markt überschwemmte. Die berühmten Räuber des 18. Jahrhunderts standen Pate für so manches Buch, und im Volksmund hielt sich lange die Behauptung, der Bayerische Hiasl sei das Vorbild für Schillers Räuberhauptmann Karl Moor gewesen. Auch wenn diese Annahme von Literaturwissenschaftlern längst widerlegt wurde, taucht sie immer wieder in Abhandlungen über Matthäus Klostermair auf. In jedem Fall prägte Schillers Schilderung des Räubers Karl Moor für Generationen das Bild vom „edlen Räuber“ und trug auch zur Legendenbildung um den Bayerischen Hiasl bei.

Ein freies Leben führen wir,
Ein Leben voller Wonne,
Der Wald ist unser Nachtquartier
Bei Sturm und Wind hantieren wir,
Der Mond ist unsre Sonne,
[...]
Heut laden wir bei Pfaffen uns ein
Bei masten Pächtern morgen,
Was darüber ist, das lassen wir fein
Den lieben Herrgott sorgen.

(Friedrich Schiller: Die Räuber. Ein Schauspiel. Philipp Reclam Jun. Verlag, Stuttgart 1986, S. 106)

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

Sekundärliteratur:

Wolf, Klaus (2017): Matthias (Matthäus) Klostermayr – der ›Bayerische Hiasl‹ (1736-1771). Räuber, Wilderer und ein Phänomen der Literaturgeschichte (Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben, 19).