Die Sendlinger Mordweihnacht

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Fresko "Die Sendlinger Bauernschlacht 1705" von Wilhelm Lindenschmit der Ältere, Alte Pfarrkirche St. Margaret, München-Sendling.

Am 23. Dezember 1705 fanden sich knapp 3000 schlecht bewaffnete Männer sowie 300 Reiter im Kloster Schäftlarn ein. Die Voraussetzungen für ihr Vorhaben waren äußerst ungünstig. Durch das spurlose Verschwinden des Verbindungsmannes zwischen Ober- und Unterland war die Kommunikation zwischen den einzelnen Landesteilen unterbrochen. Der Anführer der Münchner Aufständischen war zwischenzeitlich enttarnt worden und geflohen. Noch ehe der Aufstand richtig begonnen hatte, fielen die ersten Gemeinden von ihm ab. Gleichwohl begannen die Aufständischen voller Hoffnung und Mut ihren Marsch auf München.

Der Mensch denkt, und der Herrgott lenkt. In Schäftlarn sind sie noch eingekehrt und haben viel getrunken, in Baierbrunn wieder, in Solln noch einmal, und in Sendling sind dann schon die ersten davon, wie es geheißen hat, die Münchner tun nicht mit, die sind kaiserlich. Und die Niederbayern wären erst in Zorneding, der General Kriechbaum aber schon in Anzing. – „Glaab ma´s Balthes, dös geht net guat aussi, i spür´s!“ So mag sich mancher gesagt haben. Aber auch in altbayerischer Gelassenheit: „Iatz könn´ ma nimmer z´ruck, uns lachas´ ja dahom aus! In Sankt Peter gehn ma in d´Metten!

(Georg Lohmeier: Auf den Spuren der Väter. Gschichten aus der bayerischen Gschicht. Ehrenwirth Verlag. München 1987, S. 145)

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl