Das Braunauer Parlament als Wiege der Demokratie

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Spottbild Braunauer Parlament.

Als Braunauer Parlament wird die Konferenz der Landesdefension vom Winter 1705 in Braunau bezeichnet. Das Braunauer Parlament war die erste wahrhaft demokratische Vertretung der Neuzeit. Noch vor der Französischen Revolution und dem deutschen Frühparlamentarismus traten in Braunau am 21. Dezember 1705 Vertreter von allen vier Ständen: Adel, Klerus, Bürger und Bauern zusammen. Zum ersten Mal in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen saßen die Bauern mit am Verhandlungstisch. Nicht zuletzt dieses Parlament ist der Beweis dafür, dass es sich 1705 nicht allein um einen Bauernaufstand, sondern tatsächlich um einen Volksaufstand handelte, an dem Menschen aller Stände beteiligt waren. Bis Mitte Januar trafen sich die 100 Delegierten insgesamt zehn Mal. Das große Misstrauen, das zwischen den Ständen herrschte sowie ihre unterschiedlichen Interessenslagen führten jedoch zu einer Schwächung der Aufständischen, die mit dem Sieg der kaiserlichen Truppen endete.

Das Beispiel von Braunau hätte Schule machen können. Bayern hätte zu einem Modell einer neuen Staats – und Gesellschaftsform werden können: ein neues bayerisches Staatsgefühl, das sich von der dynastischen Idee entfernt.

Die Sprengkraft einer solchen Entwicklung wäre kaum auszudenken. Diese Form hätte die organisatorisch überaltete Struktur der Reichsstände auf der Reichsebene zusammenbrechen lassen und eine andere Entwicklung der Demokratie fördern können.

(Henric L. Wuermeling: 1705. Der bayerische Volksaufstand und die Sendlinger Mordweihnacht. LangenMüller Verlag, München 2005, S. 175f.)

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl