Martin Luther

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Lutherporträt von Lucas Cranach dem Älteren, 1529.

Obwohl Luthers reformatorisches Wirken einen starken Einfluss auf den Ausbruch des Deutschen Bauernkrieges hatte, grenzte er selbst sich relativ bald von den Bauern ab. In seiner Schrift Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern verurteilte er die Aufständischen und ihr Anliegen aufs schärfste:

Dreierlei greuliche Sunden wider Gott und Menschen laden diese Baurn auf sich, daran sie den Tod verdienet haben an Leibe und Seele mannigfältiglich: Zum ersten, daß sie ihrer Oberkeit treu und hulde geschworen haben, untertänig und gehorsam zu sein, wie solchs Gott gebeut, da er spricht: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Und Röm. 13: Idermann sei der Oberkeit untertan etc.. Weil sie aber diesen Gehorsam brechen mutwilliglich und mit Frevel und dazu sich wider ihre Herren setzen, haben sie damit verwirkt Leib und Seel, als die treulose, meineidige, lugenhaftigen, ungehorsamen Buben und Bosewicht pflegen zu tun, darum auch St. Paulus Röm. 13 ein solch Urteil uber sie fället: Wilche der Gewalt widerstreben, die werden ein Gericht uber sich uberkommen.

Dieser Text weist deutlich auf das Ende des revolutionären Impetus des Protestantismus hin. Ging es um die Veränderung der irdischen Gesellschaft, war Luther ebenso konservativ wie seine katholischen Gegner. Und so forderte er die Fürsten dazu auf, mit aller Härte gegen die Aufständischen vorzugehen: „Drum soll hier zuschmeißen, wurgen und stechen, heimlich oder offentlich, wer da kann, und gedenken, daß nichts Giftigers, Schädlichers, Teuflischers sein kann denn ein aufruhrischer Mensch, gleich als wenn man einen tollen Hund totschlahen muß: Schlägst du nicht, so schlägt er dich und ein ganz Land mit dir.“

Die Bauern hatten übersehen, dass Luther die Freiheit des Christenmenschen niemals auf das Diesseits, sondern einzig auf das Jenseits bezogen hatte.

(Martin Luther: Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern. In Johann Conrad Irmicher: Dr. Martin Luthers sämtliche Werke. Band 24: Reformationshistorische und polemische deutsche Schriften. Erster Band. Carl Hender Verlag, Erlangen 1830, S. 287-294)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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