Der ewige Spießer

Der Roman erschien 1930 im Propyläen-Verlag Berlin und spielt im Kleinbürgermilieu rund um die Münchner Schellingstraße während der Weltwirtschaftskrise 1929. Stenotypistinnen, Hausangestellte, Kellner, Autoverkäufer, gescheiterte Künstlerexistenzen, Arbeitslose, Bohèmiens, kleine Schieber und Betrüger sind die Figuren in diesem Spießerszenario. Den drei Kapiteln seines „erbaulichen Romans“ stellt Horváth als Vorbemerkung eine Absichtserklärung voraus, die Titel, Untertitel und Gattungsbezeichnung ironisch unterläuft. Die Demaskierung des Bewusstseins des „werdenden Spießers“ soll die Leser zu Selbsterkenntnis und eigenen Schlüssen anregen.

Horváth hat die drei Begriffe „Spießer“, „Kleinbürgertum“ und „Mittelstand“ in Skizzen, Essays und der Vorbemerkung zum Roman Der ewige Spießer zu definieren versucht. Als „Mittelstand“ bezeichnete er eine neue Klasse zwischen „Proletariat“ und „Kapital“, die durch eine spezifische Denk- und Verhaltensweise charakterisiert wird, in der Unsicherheit und Ungesichertheit dominieren. Seine Definition von „Kleinbürgertum“ orientierte sich an dieser Schicht. Unter „Spießer“ verstand er eine Person mit bestimmten psychischen und charakterlichen Eigenschaften quer durch alle Gesellschaftsschichten und Bewußtseinslagen. (Horváth. Einem Schriftsteller auf der Spur, S. 74)


Kommentar schreiben