Zur schönen Aussicht

In dieser 1926 geschriebenen Komödie in drei Akten zeigt sich Horváth erstmals im Vollbesitz seiner dramatischen Mittel. Hotelbesitzer Strasser, ein abgedankter Offizier und Leinwandstar, und sein Kellner Max haben sich erfolglos als Autoschieber aus ihrer finanziellen Misere herauszuhelfen versucht. Mit dem aus der Bahn geworfenen Chauffeur Karl bilden sie ein zwielichtiges, korruptes Gespann, das bis zur Selbstverleugnung abhängig ist vom einzig zahlenden Hotelstammgast Ada von Stetten, einer vermögenden Frau, die mit ihrem Geld die Männer verführt. Der Berliner Volksbühnen-Verlag nahm Horváths erstes Bühnenmanuskript vermutlich im Herbst 1927 in sein Programm auf. Zwei Jahre später plante das „als Uraufführungsbühne experimenteller Werke“ gegründete Studio Dresdner Schauspieler das Stück aufzuführen, was jedoch wegen Geldmangels des Ensembles unterblieb. Ein weiterer Versuch fand zu Horváths Lebzeiten nicht statt; uraufgeführt wurde Zur schönen Aussicht erst am 5. Oktober 1969 am Grazer Schauspielhaus.

Der Autor selbst dürfte nicht mehr mit einer Aufführung gerechnet haben, denn er hat manches aus dieser Komödie in spätere Stücke hinübergerettet, ganze Dialoge, einzelne Pointen und vor allem die Gestalt der verwundbaren Heldin, die hier Christine heißt [und ein uneheliches Kind von Strasser geboren hat]. In ihr sind […] all die anderen, deren Hingabe in Horváths Stücken enttäuscht wird, vorgebildet, obgleich diese eine Christine am Ende die Männer beschämt zurückläßt: denn sie hat Geld. (Kurt Kahl: Ödön von Horváth, S. 35)


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