Wendelstein

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Wendelstein, Unterkunftshaus und Kirche, 1902 (Foto: Privatbesitz)

Juli 1903

Mit Such Wendelsteintour, so schön dass ganz sentimental hinterher bin – Nachmittag von hier fort, Bubi begleitet uns bis Ludwigshöh mit einer Chocoladstange in der Hand, kehrt brav und allein um. Bis Schliersee gefahrn, von dort Birkenstein, Waldwiese, Glühwürmer, tiefster Traum. Das Wotanzeichen zur Erinnerung in den Baum – dann der dunkle Waldweg, wo plötzlich direkt neben uns ein junges Pferd wiehert und auf den Berg. Rast in der Mitte, Schlaf – dann bei wildem Regen weiter. Kuhtränke und Theekochen an einem Stein. – Um 3 Uhr aber nah an höchster Spitze, am Abhang geschlafen eine kurze Weile. Sonnenaufgang. Wolken drüber wie ein schwerer dunkler Vorhang, der sich allmählich hob. Die wundervolle Morgenfrühe unter lauter greulichen Touristengesichtern Toilette in der Kapelle, wo man die Tür aufreisst du bei unsrem Anblick rasch wieder zumacht. – Frühstück beim ersten Sonnenschein im Wendelsteinhaus.

(Tagebücher, S. 290/1)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Gunna Wendt

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