Thomas Mann / Oberpfälzer Litera-Tour

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Der Dom in Regensburg. Gemälde von Jakob Alt, 1837.

Ein Zugunglück beschreibt Thomas Mann (1875-1955) in seiner Novelle Das Eisenbahnunglück, handelnd im Schnellzug München – Dresden: „Wir befanden uns dicht bei einer kleinen Station, nicht weit hinter Regensburg…“ Und weiter: „Die große Schnellzugmaschine von Maffei war hin und entzwei. Preis siebzigtausend.“ Ursache: „Eine defekte Weiche.“

Die 1908 erschienene Mann-Novelle beschreibt ein reales Eisenbahnunglück vom 1. Mai 1906, gegen 21.30 Uhr, unweit des Bahnhofs von Regenstauf. Der Jahresbericht der königlich bayerischen Staatsbahn bestätigt dies. Thomas Mann fuhr also im D 21, Laufweg: Rom – München – Weiden – Berlin. Thomas Mann reiste gerne mit Komfort – in einem Schlafwagenabteil der 1. Klasse: „… man liest, raucht eine Zigarre, versagt sich eine zweite nicht, man bereitet sich auf die Nacht vor…“

Von Regensburg und Schwandorf aus wurden alsbald Hilfszüge mit Kommissären der Betriebsdirektionen Regensburg und Weiden an die Unfallstelle geleitet: „Die Ursache der Zugsablenkung – mutmaßlich ein plötzlich eingetretener Defekt an der Einfahrtsweiche – wird durch die sofort eingeleitete Untersuchung wohl festgestellt werden können.“

Mit einem „Hilfszug“ geht es dann weiter nach Hof, von wo aus er verspätet nach Dresden gelangt… Thomas Mann hatte lediglich sein reales „Eisenbahnunglück“ literarisch in den „Nebel des Oktoberabends“ gelegt. Seit 1999 erinnert übrigens eine Gedenktafel an der Regenstaufer Bahnunterführung an das markante Eisenbahnunglück, das auch in die Literaturgeschichte eingegangen ist.

Am 6. April 1920 – Thomas Mann war bereits Literatur-Nobelpreisträger und ein gefeierter Dichter – sollte er nochmals in die Oberpfalz kommen und zwar für zwei Tage nach Regensburg, zu einer Autorenlesung des Zauberbergs. Und Thomas Mann hält nach einer Stadtbesichtigung fest:

Das Äußere des Domes reichste und schönste Gotik, das Innere nüchtern. Sehr merkwürdig das romanisch-byzantinische Portal der Schottenkirche.

Für Thomas Mann war sein Oberpfälzer Eisenbahnunglück von so großer Bedeutung, dass er es immer wieder auch auf seinen Lesereisen gerne vortrug.


Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

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