Theresienwiese

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Ferdinand Schiesl, Plan der Theresens-Wiese 1810, Lithographie (Münchner Stadtmuseum)

Als die Nationalgardisten am Tag nach dem Pferderennen im Gasthaus von Ignaz Huber in der Kaufingerstraße feierten, überbrachte Major Dall' Armi die Nachricht vom König, dass das Feld, auf dem das Rennen stattgefunden hatte, zu Ehren der Braut fortan „Theresens Wiese“ genannt werden dürfte. Aus dieser Bezeichnung wurde im Laufe der 1820er Jahre die „Theresienwiese“. Rund 40000 Besucherinnen und Besucher waren zu dem ersten Pferderennen gekommen. Aufgrund des großen Erfolges wurde das Ereignis im Jahr 1811 wiederholt. Zu den ersten Oktoberfesten lud der „Landwirtschaftliche Verein in Baiern“ auf die Theresienwiese, ehe der Magistrat der Stadt München 1819 die Ausrichtung der bayerischen Nationalfeier übernahm.

Unter grünen zweckmäßigen Verzierungen wächst auf der Theresien-Wiese eine hölzerne Stadt mit wohlgeordneten Gassen mit Gallerien oben auf, mit allen ländlichen Spielen heraus, um mit allen Arten von Lebensmitteln und anderen häuslichen Bedürfnissen beynahe 3 Wochen unter dem lustigsten Volksgetümmel in den Feyerstunden einen ununterbrochenen Verkehr daselbst zu treiben.

Anton Baumgartner: Die Oktober-Feste auf der Theresien-Wiese bey München von 1820-1823. Gedruckt bey Franz Seraph Hübschmann, München 1823

 

Mein Concert hat müssen verschoben werden des Octoberfestes wegen, das nächsten Sonntag anfängt und die ganze nächste Woche dauert. Es ist da jeden Abend Theater und Ball, an kein Orchester und keinen Saal zu denken.

Felix Mendelssohn Bartholdy, Brief an die Familie vom 6. Oktober 1831. In: Briefe aus den Jahren 1830-47. Hermann Mendelssohn Verlag, Leipzig 1870

 

Der Hofstaat hüllte sich im Kostüme, und die Gesandten mit ihren Damen stiegen [aus den Kutschen] aus. Die vornehmen Leute mußten gewaltig in ihren Escarpins, den galonnirten Fracks und den bloßen Köpfen frieren, während arme Teufel [...] sich frei und unabhängig in den wärmenden Flaus hüllten, den groben Filz noch tiefer in die Augen drückten und dabei eine recht ordinäre Freude empfinden konnten.

August Lewald: Das Oktoberfest, im Jahre 1832. Skizzen aus München. Lindauer Verlag, München 1832

 

Es ist Zeit, daß ich der Festlichkeiten gedenke, welche in der Woche vom 4ten bis 11ten Oktober das Münchner Publikum beschäftigten. In den letzten Tagen vor ihrem Beginn hatte sich eine ungeheure Masse Fremder eingefunden und ihre Zahl stieg in jeder Stunde. Aber die  Witterung drohte gewaltig. Tags zuvor fiel häufiger Regen und schweres Gewölk am späten Abend stimmte alle Hoffnungen tief herab. Um so überraschender war der herrliche Morgen des 4ten Oktobers und kaum traute man seinen Augen als man den klaren blauen Himmel über sich erblikte. Tausende von Menschen wogten schon in aller Frühe durch die Strassen und scharenweise strömten die Landleute aus den benachbarten Orten herbey.

Ludwig Albert Benjamin Freiherr von Gaisberg: Reise zum Münchner Oktoberfest 1835. Hg. von Paul Ernst Rattelmüller. Hugendubel Verlag, München 1979 

 

Hatte mal einen König gesehen, draußen auf der Theresienwiese beim Oktoberfest. Der kam daher, viel geheimnisvoller, viel großartiger, auf weiten Abstand, in einem offenen Wagen, wie der Sturmwind. Ein wunderschöner Mann in Uniform, mit schwarzem Haare und hellblauen Augen, ein schwarzer Hut mit nickenden Federn und ausgezogenem Bataillenband. Nur einen Augenblick machte es aus. Und doch blieb's unvergeßlich für mich durch die Art der Erscheinung und die begleitenden Umstände. Ich bekam eine Vorstellung von Hoheit und Majestät auch ohne Szepter und Krönlein. Und die Menge half dazu, diese Begeisterung zu erhöhen. Sie schrie auf den Wagen ein, wie auf die buntgekleideten Maurerbuben, die eine Stunde später unter dem hochklingenden Namen Jockeis die abgerackerten Schindmähren der Getreide- und Häuserspekulanten dreimal über die ausgedörrte Festwiese hetzten: „Da Kini, da Kini!“

Josef Ruederer: Die goldene Dose. In: Ernst von Destouches: Das Münchener Oktoberfest (Zentral-Landwirtschafts-Fest) 1810-1910. Gedenkbuch zur Hundertjahrfeier. Lindauer Verlag, München 1910


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

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