Pferderennen

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Beim Pferderennen auf der Theresienwiese. Detail aus der Schrift "Mordspektakel auf dem großen Oktoberfest im Jahre 1835" (Monacensia)

Am 12. Oktober 1810 heiratete der bayerische Kronprinz Ludwig seine junge Braut Therese von Sachsen-Hildburghausen in der Hofkapelle der Münchner Residenz. König Max I. Joseph lud rund 6000 Bürgerinnen und Bürger in vier große Gasthäuser der Stadt. An die breite Masse der Bevölkerung wurden unter freiem Himmel Speisen und Getränke ausgegeben. Der Unteroffizier Franz Baumgartner hatte die Idee, ein Pferderennen auszurichten. In Anwesenheit der königlichen Familie wurde das Spektakel am 17. Oktober 1810 auf der Fläche zwischen dem Allgemeinen Krankenhaus und dem Sendlinger Berg ausgetragen. Das Rennen gewann Franz Baumgartner.

Die Rennbahn beträgt, wie in den vorübergegangenen Jahren, 7400 baier. Schuhe, und muß dreimal umritten werden. Zum Absprengen hat man einen von drey Seiten eingeschlossenen hölzernen Schranken vorgerichtet, damit nicht zur Unzeit abgesprengt, und damit alles Unglück vermeiden werde. Auf ein vom Renngerichte gegebenes Zeichen wird der vordere Schranken gezogen und die Renner fliegen gegen die Königl. Loge voran. Immer im Kreise laufend werden sie von allen Augen fortwährend verfolgt, viele tausend und tausend Stimmen der Muthmaßung, des Beyfalls, des Wettens, des Frohseyns, und am Ende beim Einsprengen in das Ziel des lautesten Beyfalles erschallen in der Luft und erfüllen mehr als 50.000 Zuschauer mit Freude – ein Tableau, welches der Künstler Adam bereits so treffend im Kleinen entworfen hat...

Anton Baumgartner: Die Oktober-Feste auf der Theresien-Wiese bey München von 1820-1823. Gedruckt bey Franz Seraph Hübschmann, München 1823

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek