Belustigungen

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Sackhüpfen als Volksbelustigung. Detail aus der Schrift "Mordspektakel auf dem großen Oktoberfest im Jahre 1835" (Monacensia)

In den Anfangsjahren wurde das Bier aus einfachen Unterständen ausgeschenkt, ihre Brotzeit brachten die Besucherinnen und Besucher selbst mit. In den 1820er Jahren wurden erstmals Buden aufgebaut, in denen Gäste Platz fanden. Schon 1824 sah sich der Magistrat der Stadt gezwungen, das Angebot zu reglementieren und die Plätze auf der Wiesn auszulosen. Der Festwirt Anton Gruber erhielt als erster die Konzession, neben dem Ausschank Belustigungen zu veranstalten. Von Schaukeln ist in Beschreibungen die Rede, einem Karussell, und auch die anderen Wirte unterhielten ihre Gäste mit Sackhüpfen, Hosenrennen und Baumsteigen.

Wenn in München sonst schon die Tage und die Zeit so schnell forteilen, daß man am Ende immer zweifeln möchte, ob sie wirklich dagewesen seien, so ist das im Octoberfeste erst recht der Fall. Man geht da jeden Nachmittag um 3 Uhr auf die weite, grüne Theresienwiese hinaus, wo es von Menschen wimmelt, und kommt vor Abend nicht fort; denn überall giebt es Bekannte und etwas zu sprechen oder zu sehen: einen Wunderochs, ein Scheibenschießen, ein Wettrennen, schöne Ringelhäubchen u. a. m. Was man zu borgen hat kann man da abmachen, denn die ganze Stadt ist draußen, auf der Wiese, und erst wenn die Nebel anfangen aufzusteigen, bewegt sich der Schwarm wieder den Frauenthürmen zu. Dabei sind alle Menschen in Bewegung, laufen hin und her, – die Schneeberge in der Ferne sind so klar und friedlich, daß sie immer wieder einen kommenden frohen Tag versprachen und hielten; – und was die Hauptsache ist: lauter lustige, unbesorgte Gesichter...

Felix Mendelssohn Bartholdy, Brief an die Familie vom 6. Oktober 1831. In: Briefe aus den Jahren 1830-47. Hermann Mendelssohn Verlag, Leipzig 1870


Auch dieses Jahr wurde das Oktoberfest, der heranschleichenden Cholera zum Trotz, in   hergebrachter Weise gefeiert... Die Theresienwiese, auf der das Volksfest abgehalten wird, stellt sich dem Auge als eine kaum übersehbare grüne Fläche dar, die an zwei Seiten von der Stadt und ihren freundlichen Vorstädten begrenzt ist [...] Hier wimmelt es von Zelten und Buden aller Art; Garküchen, Konditoreien, Wein- und Bierschenken wechseln miteinander ab... In der Mitte der Buden nun noch der für den Hof bestimmte Pavillon, ringsherum die Plätze für das aufzustellende Preisvieh, sowie die Rennbahn, etwas in die Ferne gerückt die Schießbahnen – hier wären die Ufer abgesteckt, zwischen denen der brausende Menschenstrom sich hindrängt. Der Münchener weiß, daß man in den Himmel nicht zu früh kommen kann.

Friedrich Hebbel: Reisebericht 1836. In: Sämtliche Werke – 9. Band: Vermischte Schriften I, 1830-1840. Hg. von Richard Maria Werner. Behr's Verlag, Berlin 1904

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek