Leonid Pasternak über München

Der Maler Leonid Pasternak war der Vater des berühmten russischen Schriftstellers Boris Pasternak:

München und die Königliche Münchner Kunstakademie waren Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts als das zweite – nach Paris – europäische Zentrum berühmt, wo Ausländer aus der ganzen Welt zusammen kamen, um ihre Ausbildung in der Kunst zu erwerben. Das habe ich schon längst von dem Maler Werbel gehört, der als Erster eine Bahn nach München für die russischen Künstler gebrochen hat. Wenn ich mich an meine Studienjahre erinnere, kann ich nur sagen, dass ich damit zufrieden war. Hier habe ich zum ersten Mal und endlich zeichnen gelernt... Ich trat in die Akademie in dem letzten Jahr ein, als der Maler Piloty, weltberühmt durch seine historischen, riesengroßen und langweiligen Bilder, dort noch Direktor war. Er hat allerdings die Akademie auf eine weder vor noch nach seiner Zeit gesehene Höhe gebracht, so dass viele München zum Studium – insbesondere zum Zeichenstudium – bevorzugten und nicht Paris.

Leonid Pasternak, 1883 (Zit. aus: Leonid Pasternak. In: Ekaterina Grabar: Russische Künstler im München der Jahrhundertwende. In: Russische Spuren in Bayern. Portraits, Geschichten und Erinnerungen. Hg. v. MIR e.V. Zentrum für russische Kultur in München. München 1997, S. 60)

 

Leonid Pasternak (1862-1945), ukrainischer Maler; Aufenthalt in München: 1885 bis 1887


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

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