Ingeborg Bachmann über München

Ingeborg Bachmann war ab Herbst 1957 ein Jahr lang als Dramaturgin beim Bayerischen Rundfunk in der Hörspielabteilung tätig:

Am 1. Dezember ziehe ich in eine kleine Wohnung: Franz-Josef-Str. 9a, darauf freu ich mich schon, weil dann endlich dieses monatelange Aus-dem-Koffer-Leben ein Ende hat. Die Stelle, die ich bekommen habe, ist ganz angenehm, vor allem, weil ich mit dem Betrieb gar nichts zu tun habe, alles zu Hause mache und daher einen Rest von Unabhängigkeit behalte. München hingegen – darüber möchte ich mich lieber nicht äußern, so hinterwäldlerisch kommt es mir vor und auch hässlich, und wenn mir noch was dran läge, mir irgendwie vorzukommen, kam' ich mir noch einsamer vor als in Paris oder Genua.

Ingeborg Bachmann, Brief von 1957 (Zit. aus: Ingeborg Bachmann. In: Oswald Döpke: Ich weiss nämlich gar nicht, wohin ich gehen soll. Ingeborg Bachmann in Briefen aus den Jahren 1956 und 1957. In: Ingeborg Bachmann: Das Lächeln der Sphinx. Du. Die Zeitschrift der Kultur. Heft 9. September 1994, S. 39)

 

Ingeborg Bachmann (1926-1973), österreichsche Schriftstellerin; Aufenthalt in München: 1957/1958


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek