Einheimische, Städter, Ferienkinder

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Straßenansicht in Murnau, 1930er Jahre (Schlossmuseum Murnau)

Murnau hatte um 1910 circa 2500 Einwohner und war bereits seit mehreren Jahrzehnten ein beliebter „Bade-, Höhen- und Luftkurort“. Seit der Anbindung an die Eisenbahnstrecke 1879 hatte sich das Geschäft mit den Sommerfrischlern zur Haupteinnahmequelle entwickelt. Während der Sommermonate kamen bis zu 1700 Gäste.

Wie begegneten die Murnauer Handwerker, Beamten und Geschäftsleute den Sommergästen? 70 Prozent der Sommergäste stammte 1889 aus dem damals zweieinviertel Bahnstunden entfernten München, 20 Prozent kam aus dem restlichen Bayern, drei Prozent aus Staaten des Deutschen Reiches und nur ein Prozent kam aus dem Ausland. Erfahrung mit „Zugereisten“ aus dem Ausland hatte man in Murnau also wenig, als sich Gabriele Münter und ihr russischer Partner dort niederließen. Überall wurden Sommerfrischler – ob Bayern, Deutsche oder Ausländer – von den Einheimischen inzwischen „Fremde“ genannt. Ihre Ansprüche an Freizeit und Unterhaltung galt es zu befriedigen. Angepriesen wurden Aufführungen des Bauerntheaters, Volksgesang und Schuhplattlertanz, Biergärten mit schöner Aussicht und ausgedehnte Wanderwege.

Links: Wassily Kandinsky (li.) mit seiner „Phalanx“-Klasse in Kochel, Foto von Gabriele Münter, Sommer 1902 (Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München). Mitte: „Unangenehm“, Zeichnung von Bruno Paul. Simplicissimus, Jg. 5, Heft 26, 1900. Rechts: Aus dem Fotoalbum von Josef Ruederer (Archiv Monacensia).

In der Lokalzeitung Staffelsee-Bote wurden regelmäßig „Fremden-Listen“ veröffentlicht, die Einheimische und Gäste darüber informierten, welche Sommerfrischler für wie lange welche Unterkunft bezogen haben. Die „Kur- und Fremden-Liste des Marktes Murnau“ vom 25. Juli 1922 dokumentiert, dass „Herr Edmund von Horváth, Ministerialrat mit Frau, Söhnen, Mutter und Dienstpersonal aus München“ im Anwesen Jakob Utzschneider Logis bezog. Sein Sohn, der Schriftsteller Ödön von Horváth, hatte gemeinsam mit seinen Eltern mehrere Sommer hintereinander in Murnau verbracht, bevor die Familie 1924 dort ein eigenes Landhaus baute. Ödön von Horváth hielt sich bis 1933 überwiegend in Murnau auf und war dort polizeilich gemeldet.


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

Sekundärliteratur:

Tworek, Elisabeth (2011): Literarische Sommerfrische. Künstler und Schriftsteller im Alpenvorland. Ein Lesebuch. Allitera Verlag, München, S. 14-16.



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