Exil-Verlage in der Schweiz

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Thomas Mann 1937. Foto von Carl van Vechten. Die Casa Rossa war eine der Anlaufstellen für Thomas Mann und etliche andere Emigranten aus Deutschland auf ihrem Weg ins Exil.

1933 gründet der Schweizer Verleger Emil Oprecht den Europa Verlag für antifaschistische Exilliteratur. Oprecht wird eine der wichtigsten Anlaufstellen für deutsche Emigranten und veröffentlicht unter anderem den Briefwechsel Thomas Manns mit der Universität Bonn. Nachdem Thomas Mann am 6. Dezember 1936 die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen worden war, setzte der Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Bonn den „Herrn Schriftsteller Thomas Mann“ am 19. Dezember 1936 davon in Kenntnis, dass ihm die Ehrenpromotion aberkannt worden war.

Die schwere Mitschuld an allem gegenwärtigen Unglück, welche die deutschen Universitäten auf sich geladen haben, indem sie aus schrecklichem Missverstehen der historischen Stunde sich zum Nährboden der verworfenen Mächte machten, die Deutschland moralisch, kulturell und wirtschaftlich verwüsten – diese Mitschuld hatte mir die Freude an der mir einst verliehenen akademischen Würde längst verleidet und mich gehindert, noch irgendwelchen Gebrauch davon zu machen. [...] Der einfache Gedanke daran, wer die Menschen sind, denen erbärmlich-äußerliche Zufallsmacht gegeben ist, mir mein Deutschtum abzusprechen, reicht hin, diesen Akt in seiner ganzen Lächerlichkeit erscheinen zu lassen. Das Reich, Deutschland soll ich beschimpft haben, indem ich mich gegen sie bekannte! Sie haben die unglaubliche Kühnheit, sich mit Deutschland zu verwechseln!

(Thomas Mann: Brief an den Dekan der Universität Bonn, aus Küsnacht Neujahr 1937. In: Verbannung. Aufzeichnungen Deutscher Schriftsteller im Exil. Hg. v. Egon Schwarz und Matthias Wegner. Christian Wegner Verlag, Hamburg 1964, S. 213-215)

Ein weiterer wichtiger Publikationsort wird die von Verleger Bruno Dressler 1933 gegründete Schweizerische Büchergilde Gutenberg, die entsteht, nachdem die deutsche Büchergilde Gutenberg gleichgeschaltet worden ist. Hier veröffentlicht der Schauspieler Wolfgang Langhoff 1935 das Buch Die Moorsoldaten, in dem er den grausamen Alltag in deutschen Konzentrationslagern schildert. Er hatte im Konzentrationslager Börgermoor zusammen mit dem Bergmann Johann Esser das weltbekannte gleichnamige Lied „Die Moorsoldaten“ geschrieben. Die Musik steuerte Rudi Goguel bei.

Morgens ziehen die Kolonnen
in das Moor zur Arbeit hin.
Graben bei dem Brand der Sonne,
doch zur Heimat steht der Sinn
.
Wir sind die Moorsoldaten  
und ziehen mit dem Spaten  
ins Moor.

(Text: Johann Esser, Wolfgang Langhoff, 1933; Musik: Rudi Goguel, 1933)

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl