Neumarkt (1901 bis heute)

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Kreuzigungsszene. Foto: Historischer Verein Neumarkt

Immer wieder haben geistliche und weltliche Schriftsteller in der Gestaltung der Leidensgeschichte Jesu Christi einen literarischen Auftrag gesehen. Im Jahr 1901 rief man die Erinnerung an die im ausgehenden 18. Jahrhundert erloschene Passionsspieltradition wieder wach. Mitglieder des Katholischen Gesellenvereins brachten mehrfach Szenen der Leidensgeschichte Jesu in Art eines Singspiels zur Aufführung. Mit einem Spiel aus der Feder des Katecheten Roman Mayr wurde 1922 in Neumarkt durch die örtliche Kolpingfamilie eine neue Tradition begründet. Die Begeisterung und die spürbare innere Ergriffenheit von Mitspielern und Publikum ließen für die Zukunft Kontinuität erwarten, doch gelangte das Passionsspiel aufgrund der schwierigen Zeitläufte erst 1959 und 1964 wieder auf die Bühne.

Nachdem die theologische Diskussion während des II. Vatikanischen Konzils für eine weitere Unterbrechung gesorgt hatte, wird die – von dem Neumarkter Studiendirektor Hans G. Hirn sprachlich und inhaltlich grundlegend überarbeitete – Geschichte vom Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi in 19 Bildern seit 1984 erneut aufgeführt. Das schlichte, karge Bühnenbild, historisch stimmige Kostüme und die stimmungsvolle Lichtführung verleihen der szenischen Präsentation ihre ausdrucksstarke Atmosphäre. 1989, 1999 und 2009 konnten jeweils mehr als 20.000 Zuschauer die Darstellung der Neumarkter Passion, welche die christliche Botschaft vom Geheimnis des Kreuzes in eindringlicher Form vermittelt, zutiefst beeindruckt miterleben. Unter neuer Regie (Michael Ritz) erfolgt 2019 die Wiederaufführung der Neumarkter Passionsspiele.

Verfasser: Manfred Knedlik / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Neumarkter Passionsspiele 2019