Eurotunnel – Vision und Realisierung

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Albert Mathieu-Faviers Pläne für einen Kutschen-Service durch den Kanal stammen aus dem Jahre 1802 und enthalten riesige Belüftungsschornsteine.

Die Länge des Eurotunnels beträgt 50 Kilometer, also ein Hundertstel des von Kellermann imaginierten Atlantik-Tunnels; er wurde von der American Society of Civil Engineers als eins der modernen sieben Weltwunder ausgezeichnet.

Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts hatte der französische Geologe Nicolas Desmaret vorgeschlagen, eine solche Verbindung zwischen England und Frankreich herzustellen. Da er jedoch keine konkreten Bau- und Konstruktionspläne lieferte, blieb seine Idee wirkungslos. Der französische Bergwerksingenieur Albert Mathieu-Favier trat 1798 mit dem ersten Entwurf an die Öffentlichkeit. Er beabsichtigte, jeweils einen Tunnel von Calais und einen von Dover aus zu der in der Mitte des Ärmel-Kanals gelegenen Varne-Sandbank zu graben. Dort wollte er eine künstliche Insel aufschütten lassen, auf der ein Leuchtturm stehen sollte. Auf dieser Insel sollte mit Hilfe eines Zugangsschachts zum Tunnel eine Wechselstation für Pferde installiert werden. Die Reise per Postkutsche von Calais nach Dover sollte fünf Stunden dauern.

Mathieu-Favier stellte seinen Entwurf 1802 Napoleon Bonaparte vor, der, genau wie der britische Außenminister, von der Idee begeistert war. Da jedoch die durch den Frieden von Amiens 1802 beigelegten Feindseligkeiten zwischen England und Frankreich wieder aufflammten und Großbritannien eine französische Invasion befürchtete, wurde das Projekt Kanaltunnel verworfen.

Es folgten in den kommenden Jahren noch weitere vergebliche Vorstöße in Sachen Eurotunnel, bis es am 1. Dezember 1990 zum Durchstich kam: 15,6 Kilometer von Frankreich, 22,3 Kilometer von Großbritannien entfernt. Zweieinhalb Jahre später, am 20. Juni 1993 passierte der erste Testzug den Tunnel. Am 6. Mai 1994 wurde das Bauwerk von Königin Elisabeth II. und dem französischen Präsidenten Francois Mitterrand offiziell eröffnet. Der erste Güterzug fuhr am 1. Juni 1994, der erste Passagierzug am 14. November 1994 durch den Tunnel. Von seinen 50,45 Kilometern verlaufen 38 Kilometer unter dem Ärmelkanal. Damit ist der Eurotunnel zurzeit der längste untermeerische Tunnel der Welt. Die Tiefe beträgt 45 bis 75 Meter unterhalb des Meeresbodens.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Gunna Wendt