Unter Malweibern

Die 1871 in Husum geborene Franziska zu Reventlow verlässt 1893 ihre norddeutsche Heimat, um in München ein Leben in Freiheit zu führen. Ihre Eltern, Ludwig Graf zu Reventlow und Emilie Gräfin zu Reventlow, haben sie zur höheren Tochter erziehen wollen. Von Anfang an rebelliert sie dagegen. Nach dem Umzug ihrer Familie nach Lübeck absolviert sie eine Lehrerinnenausbildung – im wilhelminischen Kaiserreich die Standardmöglichkeit für junge Frauen aus ihrer Gesellschaftsschicht, sich beruflich zu engagieren. Doch ihr reicht es nicht. Als sie endlich volljährig ist, macht sie sich auf den Weg in den Süden. In München besucht sie eine private Malschule, an der auch Frauen zugelassen sind. Ihr Ziel: Sie will Bildhauerin und Malerin werden. Wenige Jahre später wird die aus Bremen stammende Clara Rilke-Westhoff eine Nord-Süd-Fluchtlinie in gleicher Absicht beschreiten. Und 1907 wird auch die Schriftstellerin Emmy Hennings, getrieben von einer „Weglaufsucht“, ihre norddeutsche Heimatstadt Flensburg Richtung Süden verlassen. Keine weiß von der anderen. Jede geht ihren Weg in die Freiheit allein.


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Gunna Wendt

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Franziska zu Reventlow (Archiv Monacensia)