Die jüdische Familie Gift

Salomon Gift  war Textilkaufmann, genau wie sein Vater Mendel Gift und stammte aus Hainsfarth bei Öttingen im Landkreis Donau-Ries. Die Ahnenreihe der Familie Gift lässt sich bis Mitte des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen. 1748 übersiedelte der Viehhändler Löw von Ichenhausen nach Hainsfarth. Er nannte sich wegen der Herkunft seiner Familie aus dem einstigen Stamm Levi in Israel „Löw Levi“. Der Familienname „Gift“ tauchte erst um 1813 in den Dokumenten auf. Das königlich bayerische Judenedikt vom selben Jahr beinhaltete nämlich neben einer Anzahl von Genehmigungen – wie zum Beispiel öffentliche Schulen zu besuchen, Grundbesitz zu erwerben, Unternehmen zu gründen, Schulen und Synagogen zu bauen, Friedhöfe anzulegen – die Forderung, einen Familiennamen anzunehmen, was bis dahin lediglich bei einer Minderheit der Fall war.

Therese Giehses Urgroßvater Jakob Löw, einer der Söhne Löw Levis, nahm 1813 den Namen Gift an. Er war Viehhändler wie sein Vater und hatte fünf Kinder. Die Familie lebte in großer Armut, der seine Söhne zu entkommen suchten. Im Beruf ihres Vaters sahen sie keine Perspektive. Statt wie er Pferde und Rinder zu verkaufen, wandten sie sich dem Textilhandel zu, den sie für weitaus erfolgversprechender hielten und wurden Tuch- und Schnittwarenhändler. Drei der Gift'schen Söhne boten auf der Ingolstädter Dult hochwertige Tuch- und Modewaren an: „Tibets, Ginghams, Napolitains, Shirtings und Bukskins“. Mendel Gift formulierte sein Angebot wie folgt: „Unter Zusicherung der reellsten Bedienung, schmeichelt sich mit zahlreichem Besuch beehrt zu werden, und hegt die Überzeugung, dass Jedermann sein Warenlager befriedigt verlassen wird – M. Gift“. Er ging 1863 nach München, wo er jedoch schon fünf Jahre später starb. Sein Sohn Salomon, Therese Giehses Vater, betrieb ab 1879 mit seinen Geschäftspartnern Abraham Holzer und Alois Eisenreich einen Posamentier- und Seidenwarenhandel en gros.

Thereses Vater, Salomon Gift, der Textilkaufmann für „Stoffe, Tücher, Seiden, Posamentierwaren en gros“ heiratete 1879 im Alter von dreißig Jahren die siebzehnjährige Gertrude Hainemann, die in Amerika aufgewachsen war. Dass der Name ihres Mannes im Englischen etwas völlig anderes als im Deutschen, nämlich Geschenk, bedeutet, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

 

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Gunna Wendt