Asterix-Mundart

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© Egmont Ehapa Media

Seit den 1990er-Jahren erscheinen im Ehapa-Verlag neben den regulären Asterix-Bänden Versionen von bestehenden Alben in unterschiedlichen Mundarten. Die mittlerweile über 70 Bände umfassende Reihe bedient dabei regionale Bedürfnisse von Plattdeutsch über Berlinerisch bis Schwäbisch. Die meisten Comics erscheinen übrigens auf Hessisch.

Auch für süddeutsche Gemüter gibt es die passende Lektüre. Insgesamt drei Unterreihen können dem Bundesland Bayern zugeordnet werden: Bayerisch, Münchnerisch und Fränkisch. Übersetzt werden sie von bekannten Autoren, Kabarettisten und Schauspielern, darunter Hans Well, Günter Stössel, Wolfgang J. Fuchs, Carl-Ludwig Reichert und Udo Wachtveitl.

Dass es sich dabei um ein nicht unkompliziertes Verfahren handelt, ist sogar schon in die Sprachwissenschaft vorgedrungen, die sich immer wieder mit den Asterix-Mundart-Ausgaben im Bereich der Dialekt- und Sprachentwicklungsforschung auseinandersetzt.

Die Hauptprobleme der Tätigkeit werden jedoch von jedem neuen Übersetzer in mehr oder weniger langen Vorbemerkungen zu den einzelnen Bänden dargelegt. Zum einen kann man zwar von Bairisch sprechen und es aufs Cover schreiben, es gibt aber kein Bairisch oder Fränkisch an sich, sondern eine Vielzahl an Formen, die darunter fallen. Was verwendet man jetzt? Der Text soll ja nicht nur in einem einzelnen Dorf verstanden werden, dennoch irgendwie authentisch klingen. Meistens orientiert sich der Autor dann an der eigenen Herkunft und fügt ein Glossar für die Nicht-Muttersprachler an, schließlich werden die Bände überregional verkauft. Zum anderen ist die Schreibung des mündlichen Dialekts eine Herausforderung, die in den unterschiedlichsten Varianten gelöst wird.

Die Grundstruktur der Bände ist identisch: Die Urbevölkerung der Gallier spricht den jeweiligen Dialekt, die Besatzungsmacht Rom kommuniziert auf Hochdeutsch. Wie weit ansonsten die Texte regionalisiert werden, ist unterschiedlich: Während in den Ruhrgebiet-Bänden die ganze Handlung kurzerhand in den „Pott“ verlegt wird, bleiben die bayerischen und fränkischen recht nahe an der Ursprungsfassung.

Was sich aber stark ändert und immer wieder neu variiert wird, ist der berühmte Einleitungstext, der zu Beginn eines jeden Asterix-Abenteuers unter der Karte steht. Sie wissen schon: „Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ... Nein! Ein von unbeugsamen Galliern ...“

Daraus lässt sich „Oa Dorf mit de schneidigstn vo alle schneidign Gallier spreeizt sie ei, lasst sie net unterkriagn und macht de römischn Besatzungssoldatn [...] as Leben sauschwaar“ (boarisch 1, Hans Well) machen.

Während hier fast noch die Sachlichkeit des Originaltextes durchscheint, lässt sich dies bei weitem emotionaler in Szene setzen: „Oa winzigs Doaf hoid ganz aloa tapfa dageng und gibd ums varegga ned auf. Do wona nemli lauta schneidige Gallia, de wo no dazua ziemli schdur san. Und de remischn Soidadn [...] hom deszweng a sauschwars Lem.“ (bairisch 3, Carl-Ludwig Reichert)

Während das Leben in diesen Versionen für die Legionäre zumindest hart ist und die Gallier zu Widerstandskämpfern im Geiste eines Andreas Hofer werden, könnte man bei Michael Fitz (bairisch 4) fast Mitleid mit den Römern bekommen: „Oa Dorf, da wo ganz sakrische Gallia wohnan, head ned auf, de Röma zu vadreschn. Das is ganz schee arg füa des römische Legionärsschwerl, wei de ja da bleim miassn [...].“

 

Quellen:

Albert Uderzo, René Goscinny (Übersetzung: Hans Well): Auf geht's zu de Gotn! [Asterix auf boarisch 1] Delta Verlag, Stuttgart 1997.

Albert Uderzo, René Goscinny (Übersetzung: Carl-Ludwig Reichert): Graffd wead! [Asterix auf bairisch 3] Ehapa, Köln 2007.

Albert Uderzo, René Goscinny (Übersetzung: Michael Fitz): Asterix da Gladiatoa [Asterix auf bairisch 4]. Ehapa, Köln 2008.

 

Externe Links:

Asterix-Homepage


Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Ingold Zeisberger

Sekundärliteratur:

Geyer, Klaus (2013): Asterix snackt platt – Asterix redd boarisch. Dialektgraphien zwischen Vertrautheit und Alterität in Mundart-Ausgaben der Asterix-Comics. In: Lachout, Martin (Hg.): Aktuelle Tendenzen der Sprachwissenschaft. Dr. Kovac, Hamburg.

Stössel, Günther (2015): „Di Haibtling' raffm's raus!" – Wie übersetzt man Asterix ins Fränkische? In: Brockhoff, Evamaria (Hg.): Wer ko der ko: Süddeutsch und Bairisch. Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg.



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