Die Haltung der Männer, die Frauen und der Krieg

Alle vorgestellten männlichen Romanfiguren sehen es als ihre Pflicht an, dem Vaterland zu dienen und ziehen aus Patriotismus ins Feld. Als der frühere Universitätslehrer Rudolf sich als Kriegsfreiwilliger meldet, nennt er als Grund: „Ich muss meine Pflicht tun, wie alle anderen, und du mußt es tragen, wie alle andern Frauen es tragen.“ Aber er hat noch einen persönlichen Grund. Er will sich wieder jung fühlen: „Er sagte leise, aber mit tiefer Leidenschaftlichkeit: ‚Wie ein junger Bursche! O, du ahnst ja nicht, wie hinreißend schön es ist, jetzt, gerade jetzt noch einmal ganz jung zu sein und mit den Jungen hinausziehen zu dürfen!‘“ Auch der Russe Fedor zieht aus Pflicht zum Zaren in den Krieg. Angefacht wird dies durch seinen Patriotismus, denn „jäh war die Vaterlandsliebe in Fedor Horsten erwacht und sie loderte in mystischen Verzückungen.“ Ebenso träumt auch der junge Lorenz bald von nichts anderem mehr als davon, „Vaterlandsverteidiger“ zu sein.

Außer der Russin Olga ist keine Protagonistin im Roman dem Krieg zugetan. Keine engagiert sich sozial oder schafft Arbeit, so wie Carry Brachvogel dies einstmals in ihrem Essay Die Frau und der Krieg 1914 gefordert hatte. Brachvogel stellt in Schwertzauber stattdessen drei Frauen vor, die dem Krieg zu Beginn des Handlungsgeschehens mit Ablehnung und Unverständnis gegenüberstehen. Im Roman wird dann aber auch vorgeführt, dass letztlich alle Frauen nicht umhin kommen, den Krieg als „Wirklichkeit“ zu akzeptieren, sich mit seiner Gegebenheit auseinanderzusetzen und den Forderungen des Tages zu fügen.

Als Rudolf eingezogen wird und Steffi ihn zum Bahnhof bringt, kann sie die Augen nicht mehr verschließen: „Sie starrte nach der Richtung, in der der Zug verschwunden war und wußte erst jetzt, was der Krieg ist.“ Als sie später in einem Brief erfährt, dass ihr Mann „Offiziersstellvertreter“ geworden ist, setzt langsam der Wandel ein: „aber an diesem Tag war Steffi ebenso vergnügt und stolz, wie ihr Mann es war“. Die Lektüre der Tagebücher ihres Mannes führt sie schließlich zum Verständnis seiner Entscheidung, in den Krieg zu ziehen. Seine Schwester Klara hingegen wird als eine Frau vorgestellt, die dadurch, dass sie die Grauen des Krieges in Russland miterleben muss, zu Selbstbewusstsein und einer deutschen Identität findet. Irene von Erhart muss bitter an dem Beispiel ihres Sohnes erleben, dass man vor der Realität nicht in Kulturideale flüchten kann.


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Ingvild Richardsen

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