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Sagenbrunnen mit dem Schmied von Mitterteich (c) Tourist Info Mitterteich

Mitterteich

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgt als „Dich“ in einem päpstlichen Schutzprivileg vom 9. März 1185, worin die Besitzerwerbungen des Zisterzienserklosters Waldsassen eine förmliche Bestätigung erfahren. Über Jahrhunderte hinweg wird die politische, wirtschaftliche und kirchliche Verfassung des Ortes fast ausschließlich durch Abt und Konvent bestimmt, geprägt und gestaltet. Eine Zeitenwende bedeutet der Aufbruch ins Industriezeitalter, der 1864/65 mit dem Anschluss an die Eisenbahn einhergeht. Mit der Glas- und Porzellanproduktion setzt im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert eine aufstrebende Entwicklung ein, die konsequent zur Stadterhebung 1932 führt.

Ins literarische Licht gerückt ist Mitterteich erstmals im Zeitalter des Humanismus. In seinen Insignia urbium et vicorum Superioris Palatinatus (1585) legt der neulateinische Lyriker Paul Zeidler eine gelehrte Wappenallegorese vor, in dichter Entfaltung der geschichtlichen Bezüge zum Kloster Waldsassen. Vom Geschichtssinn des Zeitalters zeugt auch das populäre Teutsche Reyßbuch durch Hoch- und Nider Teutschland (1632) des Reiseschriftstellers Martin Zeiller, in dem „Mitterteich, so ein feiner orth“, eine knappe historisch-antiquarische Betrachtung gewidmet ist.

Glasbrunnen und Hungersäule (c) Tourist Info Mitterteich

Naturwissenschaftliches Interesse leitet Johann Wolfgang von Goethe, als er 1822, bei einem Besuch des Magistratsrats Joseph Sebastian Grüner in Eger, auch die Umgebung von Mitterteich aufsucht, um seine Mineraliensammlung zu vervollständigen. In seinen Tagebüchern geht der persönliche Erlebnisbericht ganz mit der geologischen Beobachtung dieses Landstrichs einher: „... über Condra [Kondrau] nach Mitterteich auf der Straße nach Regensburg, sodann rechts durch Wald und Gebirge auf sehr guter Chaussee. Hier findet man eine weit ausgebreitete Basaltformation. Merkwürdig war uns bei Groschlattengrün ein Granit, der beinah’ ganz aus Feldspatkristallen von der größeren, aber flächeren Art besteht, welche bei wenigem Bindungsmittel leicht auswittern und zahlreich umherliegen.“

Luftaufnahme von Mitterteich, katholische Stadtpfarrkirche und altes Rathaus; neues Rathaus (c) Tourist Info Mitterteich

In den 1940er Jahren verbringt der in Bayreuth geborene „Arbeiterschriftsteller“ Max von der Grün prägende Jugendjahre in Mitterteich. 1968 erscheint sein Roman Zwei Briefe an Pospischiel, eine literarische Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart des Nationalsozialismus, in dem er den Ich-Erzähler stellvertretend an die Stätten seiner Jugend zurückkehren lässt. Der Fernsehfilm Späte Liebe (1978) und die gleichnamige Erzählung (1982) sind eine sensible Hommage an seine in Mitterteich lebende Mutter. 1980 und 1988 kommt er zu Lesungen in diese „Mutter-Stadt“.

Verfasser: Manfred Knedlik

Sekundärliteratur:

Baron, Bernhard M. (2012): Stifter im Stiftland. Wie Adalbert Stifter 1865 nach Mitterteich kam. In: Heimat-Landkreis Tirschenreuth 24 (Pressath), S. 158-162.

Baron, Bernhard M. (2010): Max von der Grün - Einer von uns. Zeit für eine persönliche und literarische Renaissance, In: Heimat - Landkreis Tirschenreuth 22 (Pressath), S. 82 - 90.


Externe Links:

Homepage der Stadt Mitterteich

Arbeitskreis Heimatpflege Mitterteich

„Der Schmied von Mitterteich“. Versepik zwischen Sagentradition und Sozialkritik

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