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Murat und Tarik

... erwarten einen verheißungsvollen Schwanthaler Sommer.

„Kommst du jetzt endlich? Jetzt mach schon“, Murat zerrte ungeduldig an Tariks Ärmelsaum, „den Joghurt kannst du doch auch mitnehmen!“ Tarik kippte den Ayran hastig hinunter, wischte sich mit dem Ärmel den weißen Milchbart ab, warf dem Onkel im Gehen noch ein eiliges „Tschüss, bis nachher“ zu und lief auch schon aus dem kleinen Kiosk hinaus auf die Schwanthalerhöhe.

Die Sommerferien hatten gerade begonnen und das Abenteuer lachte den beiden Jungen entgegen – vor allem in Gestalt der üppigen Blumenverkäuferin, die Rosen, Tulpen und Dahlien im Laden an der Ecke zum Heimeranplatz feilbot. „Weißt du“, hatte Murat gesagt, „manchmal stelle ich mir nachts vor, dass ich Limonade über ihre großen Brüste schütten und da herunterlecken würde. Und das macht dann so ein Kribbeln auf der Haut und in meinem Bauch. Das ist wirklich schön.“

Limonade von den Brüsten lecken, von diesen großen, weißen, weichen Brüsten. Seit Murat ihm davon erzählt hatte, konnte Tarik an fast nichts anderes mehr denken. Und so standen sie dann da, für einen magischen Augenblick, mit heißroten Wangen, den Herzschlag bis zum Hals, fast jeden Tag – im Blumenladen.

„Na, da sind ja meine beiden Kavaliere wieder“, sagte die Blumenhändlerin lachend und ihre Brüste hüpften dabei hoch und runter. Murat schaute Tarik an, aber der zuckte nur mit den Schultern. War Kavalier nicht so was Komisches zu essen? Oder hieß das Kaviar? Egal, Hauptsache, die Brüste hüpften, und das taten sie oft, weil die Blumenhändlerin gerne und viel lachte.

„Ihr könnt aber nicht immer nur schauen, müsst auch mal kaufen“, sagte die Blumenfrau und sah die beiden aufmerksam an.

Murat und Tarik wussten nicht, was sie sagen sollten.

Die Blumen waren ja ganz o.k., aber doch eigentlich total egal. Hätte sie mit einem Leierkasten am Karlsplatz Stachus gedudelt, wären die beiden eben dahin gekommen, aber wohl kaum wegen der Musik!

Nach einem Augenblick betretenen Schweigens sprangen sie wieder aus dem Laden.

„Bis morgen“, rief Tarik.

„Ja, bis morgen“, rief die Blumenhändlerin und schüttelte amüsiert den Kopf.

Murat und Tarik lachten sich mit leuchtenden Augen an.

Sie durften nur nicht Turkan und seiner Horde von Schwachköpfen in die Hände fallen – dann würde dieser Schwanthaler Sommer fantastisch werden.


Den ganzen Spaziergang auf der Karte verfolgen ...

Verfasser: © Judith Strohm, 2013

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