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Fotografie November 1986 (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe)

Baby Schimmerlos

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(c) Catherina Hess

Mit dem Sechsteiler Kir Royal (Erstausstrahlung 1986) gelingt Helmut Dietl ein Riesenerfolg, der ihm aber auch Kritik von seiten der CSU und der Kirche wegen einer Beichtstuhlszene in der Folge „Das Volk sieht nichts“ einbringt. Für die Satire auf die Münchner Schickeria mit Franz Xaver Kroetz als Klatschreporter Baby Schimmerlos, Dieter Hildebrandt als Fotograf Herbie Fried und Senta Berger als Mona wird Helmut Dietl u.a. mit zwei Grimme-Preisen (1987 und 1988) ausgezeichnet.

„Durch seine gewisse schlechte Laune, die er [Kroetz] immer verbreitet – auf bayerisch könnte man sagen durch seine Grantigkeit – war er mir sehr nahe, und des gefiel mir ganz gut [...], des war mir sehr angenehm, dass der eben nicht so der Gaudibursch war“, bekennt Dietl in einem Interview mit Capriccio 2006. Kroetz wiederum hält seinen Regisseur für den „einzigen deutschen Satiriker von Weltniveau“.

Kir Royal – Aus dem Leben eines Klatschreporters ist nicht nur eine satirische Persiflage (u.a. auf die Münchner Abendzeitung), sondern erzählt von den Widersprüchen der Gesellschaft in der Figur Baby Schimmerlos, die in dem Charakter dieser Figur angelegt sind: „Indem Schimmerlos auf seinem Recht beharrt, dazuzugehören und zugleich das Spiel von außen zu betrachten, ist er mehr Dietl, als Dietl es offen zugegeben hätte.“ (Claudius Seidl) „Wer reinkommt, ist drin“ lautet entsprechend der Titel der ersten Folge. Auf der Jagd nach immer heißeren Stories gerät Baby Schimmerlos allerdings ständig unter Druck, halten ihn doch ein geltungssüchtiger Kleberfabrikant (Folge 1), die Hauptdarstellerin einer neuen TV-Seifenoper (Folge 2), ein ehrgeiziger Landtagsabgeordneter (Folge 3), eine Grande Dame des Chansons (Folge 4), ein königlicher Staatsbesuch (Folge 5) sowie ein milliardenschwerer Tycoon (Folge 6) in Atem. Am Ende verliert er neben seinem Job nicht nur seine Mutter, die beim Versuch, ihren Videorekorder bei der Live-Schaltung ihres Sohnes in Gang zu setzen, vor Aufregung an einem Herzinfarkt stirbt, sondern auch seine als Chansonsängerin reüssierende Freundin Mona.


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Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

„Der ewige Stenz“. Helmut Dietl und sein München (Literaturhaus München HEFTE, 9). München 2016.

Helmut Dietl; Patrick Süskind: Kir Royal. Aus dem Leben eines Klatschreporters. In der Originalfassung. Albrecht Knaus, München/Hamburg 1986.


Externe Links:

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