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Fotografie November 1986 (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe)

München, Ursulastraße 9: Kir Royal VI

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Ursulastraße 9, Sitz der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. (c) Peter Czoik

In der Münchner „Lach- und Schießgesellschaft“ erhält Babys Freundin Mona am Ende der Serie ein Engagement als Chansonsängerin („Der ewige Stenz“, S. 37).

Mona startet ihre Karriere in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, Ursulastraße 9, nahe der Münchner Freiheit. Schon als Kind träumt sie von einer Sängerkarriere. Ihre Freundin Peggy (gespielt von Angelica Domröse) bestärkt sie darin, ein Demo-Tape aufzunehmen. Schimmerlos ist wenig begeistert von Monas Plänen, weil sie ihre häuslichen Pflichten dadurch vernachlässigt. Es kommt zur Trennung der beiden. Zuvor spioniert er ihr hinterher in der vermeintlichen Annahme, sie würde sich ihr Geld als Edelprostituierte verdingen, zumal er sie „diverse Dessous, Strapsgürtel, Strümpfe, eine schwarze, geflochtene Sadopeitsche, Handschellen und Ketten“ (Helmut Dietl; Patrick Süskind: Kir Royal, S. 239) in ihren Koffer packen sieht.

Vor Lach- und Schießgesellschaft. Babys Wagen hält hinter Jaguar und Limousine. Baby steigt aus. Sein Blick fällt auf die beiden teuren Wagen. Dann schaut er die Fassade des Gebäudes hinauf. Nichts deutet darauf hin, daß sich hier ein Bordell oder ein ähnliches Etablissement befinden könnte. Er schaut nach links, schaut nach rechts... da sieht er eine jüngere, ziemlich ordinär und nuttig aussehende Frau in hochhackigen Schuhen den Bürgersteig entlanggehen. Sie geht an Baby vorbei, er schaut ihr nach und sieht, wie die Frau in einem Hauseingang verschwindet. Baby folgt ihr.

Treppenhaus. Aus den Räumen der Lach- und Schießgesellschaft hört man Musik und Monas Stimme. Baby realisiert beides nicht, sondern folgt der Frau die Treppe hinauf.

(S. 241f.)

Am Ende realisiert er nicht nur, wie Monas Gesicht die Plakatwände der Stadt zieren, sondern auch, dass er Mona endgültig verloren hat:

Vor Lach- und Schießgesellschaft. Nachts. Monas Stimme ist zu hören. Baby steigt aus seinem Wagen und geht langsam zum Hintereingang in die Ursulastraße. Er betritt den Hausflur. Dort steht Peggy und pafft nervös eine Zigarette nach der anderen.

Im Hausflur. Das Lied [„Somewhere over the rainbow“] ist jetzt laut und deutlich durch die Tür des Bühneneingangs zu hören. Baby bleibt neben Peggy stehen. Er zündet sich eine Zigarette an, raucht. Sie sprechen kein Wort miteinander. Das Lied ist zu Ende. Enormer Beifall ist zu hören, laute Rufe: „Bravo! Mona! Zugabe!“ Peggy stößt einen Jubelschrei aus, reißt die Türe des Bühneneingangs auf und verschwindet. Baby steht rauchend vor der verschlossenen Tür. Langsam dreht er sich um und geht hinaus auf die Straße.

(S. 254)

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

„Der ewige Stenz“. Helmut Dietl und sein München (Literaturhaus München HEFTE, 9). München 2016.

Helmut Dietl; Patrick Süskind: Kir Royal. Aus dem Leben eines Klatschreporters. In der Originalfassung. Albrecht Knaus, München/Hamburg 1986.