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Fotografie November 1986 (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe)

München, Nähe Kolumbusplatz: Der ganz normale Wahnsinn I

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Kolumbusplatz (c) Peter Czoik

Hier lebt Maximilian Glanz in einem Loft, bevor er mit seiner Freundin Gloria eine Grundsatzentscheidung trifft: Wohnung in der Stadt versus Haus auf dem Land („Der ewige Stenz“, S. 37).

Maximilians Junggesellenwohnung scheint nicht der geeignete Rückzugsort für eine neue Beziehung zu sein – die Zweisamkeit von ihm und Gloria wird immer wieder durch Telefonanrufe gestört und am Ende steht auch noch Maximilians Exfrau vor der Tür. Die Wohnung selbst ist karg und ungemütlich:

Die beiden betreten die Wohnung. Maximilian schaltet die Neonröhren ein. In dem grellen, ungemütlichen Licht steht Gloria da irritiert, unschlüssig.

MAXIMILIAN. Ich mach schnell einen Kaffee. Er eilt in die Küche, holt zwei Tassen aus dem Spülbecken, schüttet etwas Nescafé hinein und stellt Wasser auf den Herd.

Gloria schaut sich in den großen, kahlen Raum um. Auf einer Couch liegen Bücher und Zeitungen. Sie schiebt sie beiseite und setzt sich auf die Couch. Maximilian kommt mit zwei Tassen Nescafé zurück, löscht das Licht, holt eine Kerze, zündet sie an und setzt sich neben Gloria. Neben der Couch steht ein Plattenspieler.

(Helmut Dietl: Der ganz normale Wahnsinn, S. 32)

Die Wohnung bietet zudem immer weniger Rückzugsmöglichkeiten, nachdem Gloria ihre ganzen Möbel und Sachen gepackt hat und zu Maximilian gezogen ist. In einer Nacht träumt sie von einer gemeinsamen Zukunft in einem romantischen Bauernhaus. Am nächsten Tag sitzen Maximilian und Gloria in einem Maklerbüro, überwerfen sich aber mit dem Makler, weil der kein solches Traumhäuschen für Gloria finden kann: „Weils nix gibt und bald gibts überhaupt nix mehr und dann gibts an dritten Weltkrieg und dann gibts keine Häuser mehr und keine Wohnungen, sondern nur noch lauter Trümmer, und auf die Trümmer liegt der Atomstaub...“ (S. 122)

Die Auseinandersetzungen – Gloria will aufs Land, Maximilian in die Stadt (S. 126) – führen zur vorübergehenden Trennung des Paares. Maximilian mietet schließlich einen alten Bauernhof in Oberprittriching, Gloria unterschreibt einen Mietvertrag für eine städtische Wohnung. Beide Verträge werden aber im Nu wieder rückgängig gemacht, und die Verliebten müssen, da Maximilian seinen Job und seine Wohnung bereits gekündigt hat, in eine Pension ziehen. 

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Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

„Der ewige Stenz“. Helmut Dietl und sein München (Literaturhaus München HEFTE, 9). München 2016.

Helmut Dietl: Der ganz normale Wahnsinn. Man könnt' leben, aber man läßt nicht. In der Orginalfassung. Albrecht Knaus, München/Hamburg 1987.


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