https://www.literaturportal-bayern.de/images/lpbauthors/2017/klein/Dietl_Helmut_lpb_klein.jpg
Fotografie November 1986 (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe)

München, Tattenbachstraße 3: Münchner Geschichten I

https://www.literaturportal-bayern.de/images/lpbplaces/2017/klein/timp-014353_500.jpg
Therese Giehse bei den Dreharbeiten zur BR-Fernsehproduktion „Münchner Geschichten“ von Helmut Dietl 1974 (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe)

In dieser Mietswohnung im Lehel lebt Anna Häusler gemeinsam mit ihrem Enkel Tscharli und dem Untermieter Leopold Heinrich („Der ewige Stenz“, S. 37).

Nach dem Studentenprotest gegen den Abriss eines alten Münchner Hauses, wo Anna Häusler ihren Weißwarenladen gehabt hat, nimmt Anna in Folge 1 das Mädchen Katja, das ohne festen Wohnsitz ist und deshalb verhaftet werden soll, bei sich in ihrer Wohnung auf. Da sie nicht alleine wohnt, muss Platz für Katja (gespielt von Katja Rupé) geschaffen werden – Anna schreibt einen Zettel für Tscharli, auf dem steht, dass er nicht in sein Zimmer gehen soll, sein Bett sei im Wohnzimmer (Helmut Dietl; Anita Niemeyer: Münchner Geschichten, S. 25). Zwischen Katja und Tscharli entwickelt sich eine Freundschaft, bei der Katjas Kapitalismuskritik Tscharlis Unbehagen an seiner Arbeit im Reisebüro bestärkt und ihn zu seiner eigenen Entlassung anstiftet. Es ist aber noch mehr als „nur“ Freundschaft, denn Annas Untermieter Herr Heinrich (gespielt von Karl-Maria Schley) beobachtet, wie Katja eines Nachts ins Wohnzimmer von Tscharli huscht. Tags darauf verschwindet Katja, so wie sie gekommen ist. Zurückbleibt ihr Buch, das aufgeschlagen auf dem Küchentisch liegt und in dem Anna Häusler in der letzten Einstellung der ersten Folge zu lesen beginnt:

Wohnung Häusler. Die Oma zieht das Bett von der Couch im Wohnzimmer ab. Dann geht sie den Gang entlang in Tscharlis Zimmer, beginnt dort, Katjas Bett abzuziehen. Geigenspiel aus Heinrichs Zimmer.

In der Küche stopft Oma die Bettwäsche in einen Wäschesack. Die Tür ist offen. Man hört das Geigenspiel. Die Oma geht zur Tür. Mißbilligende Blicke in Richtung Heinrichs Zimmer.

Sie geht wieder in die Küche, schließt demonstrativ und laut die Tür. Auf dem Küchentisch liegt noch das Buch, aus dem Katja vorgelesen hat.

Oma Häusler blättert darin, setzt eine Brille auf, beginnt zu lesen.

(S. 52)

Tattenbachstraße 3 (c) Peter Czoik

Zur nächsten Station...

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

„Der ewige Stenz“. Helmut Dietl und sein München (Literaturhaus München HEFTE, 9). München 2016.

Helmut Dietl; Anita Niemeyer: Münchner Geschichten. Szenen einer Stadt. In der Originalfassung. Albrecht Knaus, München/Hamburg 1984.