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Titelblatt der Wanderweg-Broschüre

Chammünster: Startpunkt Nietzsche-Wanderweg

Friedrich Nietzsche gilt heute in der ganzen Welt als einer der einflussreichsten Philosophen. Er starb im ersten Jahr des 20. Jahrhunderts, am 25. August 1900, in geistiger Umnachtung, von da ab aber erfuhr seine Philosophie des Nihilismus, der Umwertung aller Werte und der Proklamation vom „Tod Gottes“ einen wahren Triumphzug.

Eine wichtige Rolle in Nietzsches Leben und Denken spielte dabei die Bewegung, das Tänzerische. Berühmt geworden ist eine Maxime aus einem seiner letzten Bücher, Ecce homo. Wie man wird, was man ist. Dort heißt es: „So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung – in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern.“ Nietzsche war also ein begeisterter Zu-Fuß-Geher. Und diese Leidenschaft führt ihn, als er noch ein junger Mann ist, sogar in den Bayerischen Wald: Im August 1867, als krönender Abschluss des bestandenen Philologie-Studiums in Leipzig, entschließt sich der 22-jährige, zusammen mit seinem Studenten-Freund Erwin Rohde eine Reise zu unternehmen.

Noch einen Tag vor deren Antritt ist das Reiseziel unklar: „ Es hängt von einer seltsamen Verkettung von Rücksichten und Neigungen ab, ob wir nach Salzburg und München oder in den böhmischen Wald fahren“. Es wird schließlich der Böhmerwald – so nennt man Mitte des 19. Jahrhunderts noch das gesamte Waldgebiet rechts und links der bayerisch-böhmischen Grenze.

Dieser Landstrich hat noch keinen sehr guten Leumund zu dieser Zeit. In Leipzig warnt man die beiden Wanderer vor dieser „abenteuerlichen Fahrt in den Räuberwald“. Erst mit der Erschließung durch die Eisenbahn beginnt die touristische Entdeckung des Bayerwaldes. Nicht mehr länger heißt es, dessen Bewohner seien „wild wie Kalabresen, Sardinier und Korsen“ und lebten vom Hausieren mit Schwämmen und Ameiseneiern, wie noch bei dem Reiseschriftsteller Karl Julius Weber (1828).

 


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Verfasser: Bernhard Setzwein

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