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Museum Moderner Kunst - Wörlen

Bräugasse 17
94032 Passau

Leitung: Dr. Josephine Gabler
Öffnungszeiten: Di.-So.: 10.00-18.00 Uhr.

Telefon: 0851 / 383879-0
Fax: 0851 / 383879-79

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Carry Hauser

1. Angaben zum Bestandsbildner:

Name: Carry Hauser. *16.02.1895 in Wien, †28.10.1985 in Rekawinkel.
Namensvarianten: Carl Maria Hauser [wirklicher Name].
Beruf: Künstler (Maler, Grafiker), Schriftsteller.
Carry Hauser wird 1895 in Wien geboren, 1912-14 Studium an der k. u. k. Kunstgewerbeschule in Wien, 1914 meldet er sich freiwillig zu den »Deutschmeistern«, 1916 Beförderung zum Offizier, 1918 durch eine Ausstellung seines Regiments werden Publikum und Presse auf seine künstlerische Begabung aufmerksam, 1919 zieht er nach Passau-Hals, 1922 Heirat mit Trude Herzog, Rückkehr nach Wien, 1925-38 Emigration über Holland in die Schweiz, 1946 Rückkehr nach Wien, 1947-55 Vorstandsmitglied des österreichischen PEN-Clubs, später dessen Vize-Präsident, 1955-65 Generalsekretär des PEN-Clubs, 1953 Tod seiner Frau, 1967 erste von mehreren Afrika-Reisen, 1985 im Sanatorium Rehawinkel gestorben. »Die Freundschaft der beiden Künstler G. Ph. Wörlen und Carry Hauser hat etwas Legendäres. [...] Von 1919 bis 1922 verbringt der Wiener Avantgardist Carry Hauser einen großen Teil seiner Zeit in Hals [Stadtteil von Passau]. Er ist aus der progressiven Kunstgewerbeschule hervorgegangen [...] Der junge Künstler lebt hier, um vertieft zu arbeiten, was ihm in Wien erst einmal nicht gelingt. [...] Als Hauser 1920 nach Hals kommt, sagt man ihm: ›Es ist hier ein spinnerter Maler angekommen.‹ Er sucht nach dem Künstler, verfehlt ihn, andern Tags sucht Wörlen ihn in seinem Quartier in Hals auf. Hauser: ›Von dem Tag an datierte unsere Freundschaft und Kameradschaft.‹ Das Erlebnis der künstlerischen Freundschaft bringt in seiner stürmischen Eröffnungsphase für beide einen Höhepunkt in ihrem Schaffen. So sehr ihr Werk in dieser Phase das Dioskurische, das Zwillingshafte streift, so sicher bringt jeder von den beiden einen eigenen Ansatz und einen eigenen Antrieb mit in die Begegnung. Beider Werke weisen eine gegensätzliche Grundtendenz auf. Scheinen Hausers Arbeiten oft aus einem Explosionsmittelpunkt zu fliehen, so haben Wörlens Bildanordnungen die Neigung, sich in der Mitte zu versammeln, [...] die Anziehungskraft einer Mitte herrscht vor. [..] Eine Zeitlang kommen sie sich wesensmäßig näher, werden sich ähnlich, und notwendig entfernen sie sich wieder. Diese Ergänzungen aber bilden die Grundlage für die jahrzehntelange Lebendigkeit dieser Beziehung. [...] Erkennbar scheint - in der ganzen künstlerischen Produktion, aber auch in den persönlichen Äußerungen -, dass Wörlen vom Gemüt her der Schwerblütigere war, von der Stimmung her ernster, nicht schwermütig, sondern im Sinne eines rauen Gemütes. Der Österreicher hat da etwas vergleichsweise Liebliches, Musikalisches.« (Aus: Franz Xaver Hofer, Georg Philipp Wörlen: Mein Schaffen ist ein angeborenes ›Muss‹ / Anmerkungen zu Biographie und Werk. In: Georg Philipp Wörlen. 1886-1954, hg. von Museum Moderner Kunst - Stiftung Wörlen Passau, Passau 1990, S. 164-166.) Georg Philipp Wörlen und Carry Hauser erstellten zusammen die Mappen Landschaften (MMK-W-0238) und Heilige (MMK-G-0239). Zum umfangreichen Briefwechsel zwischen den befreundeten Künstlern erschien folgende illustrierte Publikation: Carry Hauser. Georg Philipp Wörlen, hg. von LANDSTRICH (Kulturzeitschrift), Passau: Andreas-Haller-Verlag, 1988. Carry Hauser hat sich intensiv mit Expressionismus, Kubismus und Futurismus auseinandergesetzt und die Errungenschaften der Stilrichtungen in seine Malerei integriert. Gemeinsam mit den Künstlern Franz Bronstert, Fritz Fuhrken und Reinhard Hilker gründete er mit Wörlen und anderen Künstlern die Künstlergruppe Der Fels und wandte sich, wie auch die anderen Mitglieder der Gruppe, intensiv dem Holzschnitt zu. »Wegen seiner politischen Einstellung wurde über Hauser 1938 nach dem ›Anschluss‹ Österreichs von den Nationalsozialisten ein Berufs- und Ausstellungsverbot verhängt. Einer 1939 erfolgten Berufung an die Kunstschule in Melbourne konnte er wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges nicht mehr folgen. Seine Frau Gertrud Herzog-Hauser (15. Juni 1894 Wien - 9. Oktober 1953 ebenda), mit der er seit 1922 verheiratet war, musste wegen ihrer jüdischen Herkunft in die Niederlande emigrieren, wo sie bis 1946 überleben konnte. Hauser selbst ging in die Schweiz ins Exil, wo er 1941 Eine Geschichte vom verlorenen Sohn (erschienen im Privatdruck 1945), 1945 den Roman Zwischen gestern und morgen und 1946 das Märchen Maler, Tod und Jungfrau verfasste. 1947 kehrte Hauser mit seiner Frau nach Wien zurück und beteiligte sich am Wiederaufbau. 1952 wurde er Generalsekretär, später bis 1972 Vizepräsident des Österreichischen P.E.N. Clubs. Er war auch Präsidiumsmitglied der Aktion gegen Antisemitismus sowie an der Wiedererrichtung der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs beteiligt, deren Vizepräsident er später wurde. Sein ehrenhalber gewidmetes Grab befindet sich auf dem Hietzinger Friedhof (Gruppe 67, Reihe 11, Nr. 12).« (Aus: Wikipedia)

2. Bestandsumfang:

Über 200 Briefe, Karten und Nachrichten von Carry Hauser (und Gertrud Herzog-Hauser), über 100 Kunstwerke von Carry Hauser, 4 Lithographien von G. Ph. Wörlen, 6 Bücher, Fotografien.

3. Erschließungsstand:

Der Bestand ist erschlossen.

3.1. Katalogisierung:

Die Kunstwerke von Carry Hauser wurden vollständig erfasst, Briefe und Postkarten wurden hausintern erfasst und transkribiert.

4. Bestand:

4.1. Werk:

[leer]

4.2 Korrespondenzen:

284 Briefe und Postkarten aus den Jahren 1921 bis 1985 an Georg Philipp Wörlen, Margarete Wörlen u. Hanns Egon Wörlen (29 davon mit Bildern: Zeichnungen oder Druckgraphik): die meisten Briefe und Postkarten aus den Jahren 1921 bis 1936 an Georg Philipp Wörlen (mehrere davon sind auch mit einigen Zeilen von Carry Hausers Frau, der Altphilologin Gertrud Herzog-Hauser, versehen).

4.3. Lebensdokumente:

- Fotografien, darunter Carry Hauser und Georg Philipp Wörlen vor dem Passauer Dom am 12. Juni 1929,
- ca. 150 Grafiken (Lithographien, Holzschnitte, Radierungen, Zeichnungen) und Aquarelle v. C. Hauser (MMK-G-00148 bis MMK-G-0254 u. MMK-G-1060 bis MMK-G-1099);
- 2 Ölgemälde v. C. H..

4.4. Sammlungen:

- Porträt Carry Hauser, 1927, Lithographie, v. G. Ph. Wörlen (4 Expl.),
- 6 Bücher:
  - Erlösung. Gedichte v. Hermann Nowak. Mit Bildern v. Carry Hauser, Bennisch 1918,
  - Haus der jungen Künstlerschaft. 4. Ausstellung Carry Hauser, Wien 1919,  
  - Carry Hauser, Von Kunst und Künstlern in Österreich, Wien 1938,
  - 2 Bücher mit Federzeichnungen,
  - Franz Herwig, St. Sebastian vom Wedding, 1928, mit Titelbild von Carry Hauser – Geschenk von Carry Hauser an Hanns Egon Wörlen zur Konfirmation 1929.

5. Zugang:

Eine Benutzung ist für wissenschaftliche Zwecke auf Anfrage gestattet.

6. Veröffentlichungen zum Nachlass:

Zum Briefwechsel zwischen den befreundeten Künstlern Carry Hauser und Georg Philipp Wörlen erschienen die folgenden Publikationen:
 - Carry Hauser. Georg Philipp Wörlen. Hrsg. von LANDSTRICH (Kulturzeitschrift), Passau: Andreas-Haller-Verlag, 1988.
 - »In den Nächten städtischer Tausendfältigkeit« - Carry Hausers Briefe an den Künstlerfreund Georg Philipp Wörlen 1921-1937. Hrsg. von Museum Moderner Kunst Wörlen, Passau, Passau 2016.

7. Vermerk zur Erwerbung:

Nachlässe des Künstlers Georg Philipp Wörlen und seines Sohnes, des Architekten und Museumsgründers Hanns Egon Wörlen.

8. Bemerkungen:

Der zeitliche Schwerpunkt des Bestandes erstreckt sich auf die Jahre von 1921 bis 1937.
Aus einem Brief vom 8.3.1923: »Ich werde Dir in nächster Zeit 3 Köpfe senden. [...] Meine Portraitlust ist schon auch eine ehrliche - es ist für mich ungeheuer interessant in Gesichtern zu ‚lesen‘. [...] Bitte besorge mir gelegentlich das Heft Cicerone, in der die Kritik über meine ›Hafenbildermappe‹ ist. [...] Gestern war Roessler bei mir. Ein sonderbarer Kauz, man kennt sich nicht aus mit ihm. Geholfen hat er mir bis heute noch gar nicht. Nur immer leere Versprechungen. Dafür hilft er ganz untergeordneten Malern, dass man staunen muß. [...] Die Hakenkreuzler machen sich sehr unlieb bemerkbar. Es wird noch zu manchen Dingen kommen. Sehr empört ist man hier über die Rücksichtslosigkeit der bayerischen Behörden den Österreichern gegenüber. Im Passauer Gefängnis sollen viele Österreicher sitzen, sogar Kinder mit 14 Jahren, die die Grenzpolizei ergriff, da sie neue Sachen, geschenkte, die sie von Verwandten bekommen, über die Grenze nehmen wollten. Nun werdet Ihr ja bald einen bayerischen Präsidenten und Platzhalter für den ‚Kinig‘ haben! Gratuliere! Eine narrische Welt!«