Info

Museum Moderner Kunst - Wörlen

Bräugasse 17
94032 Passau

Leitung: Dr. Josephine Gabler
Öffnungszeiten: Di.-So.: 10.00-18.00 Uhr.

Telefon: 0851 / 383879-0
Fax: 0851 / 383879-79

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Otto Stoessl

1. Angaben zum Bestandsbildner:

Name: Otto Stoessl. *02.05.1875 in Wien, Österreich, †15.09.1936 ebenda.
Beruf: Schriftsteller.
Stoessl schrieb zunächst vom Naturalismus beeinflusste Theaterstücke und wandte sich dann vor allem dem Roman zu. Der Roman Das Haus Erath (1920) wird von Kritik und Literaturgeschichte als sein Hauptwerk angesehen. Hans Weigel über Otto Stoessl: »Von allen Vergessenen unserer Literatur scheint er mir, wenn der Superlativ gestattet ist, der Vergessenste.« Gertrud Herzog-Hauser, die Frau von Carry Hauser, schrieb anlässlich der Herausgabe von Otto Stoessls Buch Antike Motive in der Officina Vindobonensis 1928 den Text »Otto Stoessl und sein jüngstes Buch«; in Herzog-Hausers Text heißt es u.a.: »Die Wahrheit kommt bei Otto Stoessl vor der Schönheit. [...] Stoessl will nichts sein als ein stiller Beobachter, der vom Fenster seiner Behausung aus zusieht, wie die Menschen es treiben. Alles ist ihm wichtig, alles geht ihm nahe; scharf und gütig dringt sein Blick in die verzeigtesten, geheimsten Gänge des Ameisenhügels, der sich ‚menschliche Gesellschaft‘ nennt. Was ihm aber die größte Teilnahme abnötigt, das sind die seltsam verschwommenen Grenzgebiete dieser scheinbar so fest gefügten Gesellschaft und die seltsam verschwommenen Gestalten, die da, vom unbeschreiblichen Zwielicht zweier grundverschiedener Welten beleuchtet, ihr fragwürdiges und doch so göttlich lebendiges Leben führen. Die Außenseiter des Lebens, die Opfer, Verächter oder Karikaturen der Bürgerlichkeit, sind Stoessl besondere Lieblinge. Unvergeßlich für jeden, der sie kennen gelernt hat: etwa der Heinrich Frantzl im Haus Erath, der inmitten dieser österreichischen Buddenbrooks und Forsytes, also inmitten aller kaufmännischen, bürgerlichen und familienpolitischen Selbstgerechtigkeit, niemals zur richtigen Zeit irgendwo erscheinen kann und niemals weiß, was er mit seinen Gliedmaßen anfangen soll, oder der Lebenskünstler, Sparmeister und Oberleutnant Roszkowski im Schelmemroman Sonjas letzter Name, oder das gelungenste Exemplar eines naiven, wohlgepflegten Gauners: Egon de Alamor in der prächtigen Erzählung Egon und Danitza. Aber mitten zwischen Schalksnarren, Heuchlern und Abenteurern blühen ganz wunderfeine, stille Blumen, wie jene duldende Antonie und jene engelszarte Agnes im Haus Erath, jene kindliche Veronika, das ›Veilchen im grünen Schatten der Jugend‹ (des Helden) in dem sturm- und drangreichen Roman Morgenrot, oder jene rührend stolze und zugleich demütige Liebende und Geliebte Marcelle Altoviti, die gleich ihrer schönen Mutter unvergeßbar noch durch unsere Träume schreitet, wenn einmal ihr Schicksal durch die schlichte, verhaltene Erzählung des Dichters zu uns gesprochen hat. [...] Stoessl blickt aus klaren Augen, aus seinen ›Fenstern‹ (wie Gottfried Keller es sagen würde), in die weite Welt und darüber hinaus, nicht eben in den Himmel der Religionen, eher in ein heeres Sternenreich der Ideen, in dem sich die Musen, diese lieblich ernsten Schützerinnen aller schönen Künste, der Musik zumal, so wohl fühlen. ›Musik‹ das unübersetzbare Griechenwort, ist das gemeinsame Zauberwort, bei dessen Erklingen sich die österreichische wie die hellenische Seele erschließt! Ein ganzer Roman Stoessls, die Sonnenmelodie, ist der Musik gewidmet und dem genialen Musiker Josef Matthias Hauer. Das jüngste Buch aber, Antike Motive (Officina Vindobonensis 1928. Wien, III., Schützengasse 9), ist selbst Musik geworden, von dem österreichischen Dichter in hellenischem Geiste und Wohllaut gesungen. Wie tief verstehen einander wienerische und altathenische Art, leise lächelnd, über Jahrtausende hinweg, haben sie zueinander gefunden [...].«

2. Bestandsumfang:

1 Brief, 16 Karten, 4 Bücher, 2 Druckseiten, 2 Lithographien.

3. Erschließungsstand:

Der Bestand ist erschlossen.

3.1. Katalogisierung:

Briefe und Karten wurden hausintern verzeichnet; Lithographien, Bücher und Druckseiten wurden in die hausinterne Datenbank Museum Plus aufgenommen.

4. Bestand:

4.1. Werk:

[leer]

4.2 Korrespondenzen:

- 1 Brief (1926) an Georg Philipp Wörlen,
- 15 Karten (1926-1933) an Georg Philipp Wörlen,
- 1 Karte von Stoessl und anderen (1930) an Hanns Egon Wörlen.

4.3. Lebensdokumente:

[leer]

4.4. Sammlungen:

- Porträt Dichter Otto Stoessl, 1927, Lithographie, von Georg Philipp Wörlen (2 Expl.),
- 4 Bücher, davon zwei mit Widmungen:
  - Otto Stoessl, Das Haus Erath. Roman, Leipzig 1928 (mit Widmungen von Stoessl an G. Ph. Wörlen),
  - Otto Stoessl, Menschendämmerung. Novellen, München 1929 (mit Widmungen von Stoessl an G. Ph. Wörlen),
  - Otto Stoessl, Arcadia, Der Gesamtausgabe erster Band, Wien 1933,
  - Otto Stoessl, Geist und Gestalt, Der Gesamtausgabe dritter Band, Wien 1935,
- 2 zusammengeheftete Druckseiten: Gertrud Herzog-Hauser, »Otto Stoessl und sein jüngstes Buch« (anlässlich der Herausgabe von Stoessls Buch Antike Motive in der Officina Vindobonensis 1928).

5. Zugang:

Eine Benutzung ist für wissenschaftliche Zwecke auf Anfrage  gestattet.

6. Veröffentlichungen zum Nachlass:

- Museum Moderner Kunst - Stiftung Wörlen - Passau. Hrsg. von Stadt Passau, Passau 1995.
- Julia Nolte: Museum Moderner Kunst - Stiftung Wörlen Passau. Der Mäzen, die Stiftung, das Museum, die Ausstellungen. Hrsg. von Stiftung Wörlen - Museum Moderner Kunst, Passau 2003.

7. Vermerk zur Erwerbung:

[leer]

8. Bemerkungen:

Der zeitliche Schwerpunkt des Bestandes liegt auf dem Jahr 1926.
Aus dem Brief vom 14.9.1926: »Lieber verehrter Herr Wörlen, beifolgend [...] der Brief Gründlers auf meinen Antrag, Ihre Arbeiten betreffend. Sie sehen, ich habe getan, was ich konnte, aber der Redakteur, ein sonst sehr braver, geschmack- und geistvoller Mann - übrigens Kubins Stiefsohn - kann eben nicht, wie er wollte und sollte. Immer hat dieses abstrakte Vieh: Publikum seine Wünsche, als hätte es ein Recht, an unserem Werk mit Bedingungen, Wünschen etc. herum- und mitzuarbeiten.«