Der Spaziergang hat eine Länge von 4,4 km und eine Dauer von ca. einer Stunde.

Marieluise Fleißer trägt im Laufe ihres Lebens viele Namen: Auf „Luise Marie“ wird sie in ihrer Geburtsstadt Ingolstadt getauft, von Familie und Freunden wird sie „Luis“ gerufen; als „Aloysia“ immatrikuliert sie sich an der Münchner Universität; der Schwabinger Bohème stellt sie sich als „Lu“ vor. Lion Feuchtwanger macht sie zu der „Marieluise“, als die man sie noch heute kennt; Bertolt Brecht nennt sie schlicht „fleisserin“.

Gestorben ist „Luise Maria Haindl, geb. Fleißer“ – so steht es in ihrem letzten Pass – am 2. Februar 1974. Über ihren Geburtstermin herrscht Unklarheit: In ihrer Geburtsurkunde ist der 22. November 1901 vermerkt, sie selbst gibt jedoch stets den 23. November 1901 als ihren Geburtstag an.

Geburtsurkunde und Pass, aufgenommen im Fleißer-Archiv in Ingolstadt

Im Herbst 1919 macht Luis Fleißer ihr Abitur in Regensburg – in Ingolstadt gibt es damals keine höhere Schule für Mädchen – und zieht anschließend zum Studium nach München, wo sie Lion Feuchtwanger und Bertolt Brecht kennenlernt. 1924 kehrt sie ohne Abschluss, aber mit dem Ziel, Schriftstellerin zu werden, nach Ingolstadt zurück. 1926 debütiert sie mit dem Drama Fegefeuer in Ingolstadt, das in Berlin uraufgeführt wird: ein erster Erfolg.

Die Berliner Inszenierung von Pioniere in Ingolstadt drei Jahre später geht dagegen als Theaterskandal in die Geschichte ein, der das Verhältnis zwischen Fleißer und ihrer Heimatstadt nachhaltig beschädigt. In einem öffentlichen Brief nach Ingolstadt äußert sie ihr Unverständnis über den Hass, der ihr entgegenschlägt. Nach Aufenthalten in München und Berlin sowie Reisen nach Schweden und Andorra zieht Fleißer im Spätherbst 1932 wieder zu den Eltern, da ihre finanzielle Situation nichts anderes zulässt. Sie wird den Rest ihres Lebens in Ingolstadt verbringen.

Das ausführlichste Porträt der Stadt findet sich in ihrem Roman Eine Zierde für den Verein, in dem sie nicht nur die soziale Topografie der Stadt und das Lebensgefühl der jüngeren Generation beschreibt, sondern auch auf die militärische Vergangenheit eingeht:

Die Stadt kann nicht leben und nicht sterben, seit ihr durch den Versailler Vertrag das Militär genommen wurde und alle Zubringerdienste für das Militär samt den Rüstungsbetrieben. Doch weist ihr mystischer Leib, aus den Voraussetzungen des Mittelalters gewachsen, immer noch vereinzelte Schutzinseln auf.

Die Familie Fleißer ist keine solche Schutzinsel, denn auch für ihren Eisenwarenladen bedeutete der Abzug der Soldaten finanzielle Einbußen. Dass in der Stadt weiterhin ein gleichsam soldatisches „Rudelgesetz“ herrscht, das Außenseitern das Leben schwer macht oder es sie gar kostet, davon erzählen Marieluise Fleißers Prosawerke und Dramen immer wieder.

1935 heiratet Marieluise Fleißer den Tabakhändler Josef Haindl, mit dem sie sich zuvor schon ver- und wieder entlobt hatte. Nach der Hochzeit verstummt sie literarisch weitgehend, erst in den 1960er Jahren leitet eine junge Generation bayerischer Dramatiker – Martin Sperr, Rainer Werner Fassbinder und Franz Xaver Kroetz – eine Fleißer-Renaissance ein.

 

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Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek

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