Der Spaziergang hat eine Länge von ca. 11km und eine Dauer von ca. 2,5 Stunden. Der Weg von Station 1 zur Station 2 ist am besten mit der Fähre Starnberg-Berg zurückzulegen.

Das Leben und Wirken des bayerischen Schriftstellers Oskar Maria Graf ist eng mit seiner Heimat am Starnberger See verbunden. 1894 am Ostufer des Sees in Berg geboren, verlebt Oskar Maria Graf seine Kindheit in Berg, besucht 1907 die Dorfschule in Aufkirchen und macht dann im Elternhaus bei seinem ältesten Bruder Max eine Bäckerlehre. Die brachiale Strenge des Bruders führt dazu, dass Oskar Maria Graf im Sommer 1911 mit dem Zug nach München flieht. Nach seinen Jahren in München und dem Exil nach 1933 wird er nie mehr für längere Zeit als für einen Kurzbesuch nach Berg kommen. Doch widmet er einen großen Teil seiner Werke dieser Gegend.

Sei es der Dorfroman oder die Novelle, die Autobiografie oder die Chronik, die Familiengeschichte oder das historische Kulturbild – die Spielarten des Alltagsschreibers und kritischen Beobachters Oskar Maria Graf sind vielfältig. Es ist die Geschichte eines stürmischen sozialgeschichtlichen Wandels, in die Graf und seine Geschwister hineinwachsen und die er in seinen Texten zum Ausdruck bringt. Es ist außerdem das Erlebnis einer exilbedingten Ferne, die seinen Sprachreichtum bewirkt und Graf schließlich zu eindrucksvollen Büchern befähigt: Sein Hauptwerk, die Erzählung Das Leben meiner Mutter – geschrieben im Exil, erschienen 1940 in amerikanischer Übersetzung, 1946 in deutscher Originalausgabe –, umfasst die erzählte Zeit zwischen den Lebensdaten der Mutter (1857-1934) und dem eigenen Leben bis zur Russlandreise 1934. „Es geht dabei zum einen um die angedeuteten Veränderungen in der ‚Seegegend‘ der Fischer und Bauern durch den Fremdenverkehr nach dem Aufkommen von Dampfschiff und Eisenbahn; es geht aber auch um die Auswirkungen der ‚großen‘, meist kriegerischen Politik, auf den harten ländlichen Arbeitsalltag.“[1]

Die Erzählung Das Leben meiner Mutter schildert die frühere Geschichte der Familie und gibt Einblick in die tiefer liegenden sozialen Gründe für die Rolle der Grafs in Berg. Geschichten wie der Band Dorfbanditen (1932) oder Grafs schriftstellerisches Bekenntnis, die Autobiografie Wir sind Gefangene (1927), geben ebenso Zeugnis von der Seegegend im Ganzen.

Der folgende literarische Erkundungsweg beschreibt Häuser, Orte und Landschaften, die im Leben und Werk Oskar Maria Grafs eine Rolle spielen. Trotz vieler Veränderungen ist vieles immer noch sichtbar oder kann aus Textstellen sichtbar gemacht werden. Der Weg verläuft dabei vom Fluchtpunkt Starnberg (Station 1) aus über den Starnberger See nach Berg (Station 2), über mehrere Wegstellen zum Geburtshaus Oskar Maria Grafs (Station 9) und führt schließlich in die benachbarten Ortschaften Aufkirchen (Station 12-14), Aufhausen (Station 15) und Leoni (Station 16-18).



[1] Dirk Heißerer (2010): Wellen, Wind und Dorfbanditen, a.a.O., S. 64.

 


Spaziergang starten: Station 1 von 18 Stationen


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Peter Czoik

 

Sekundärliteratur:

Bahnmüller, Lisa und Wilfried (2012): „Mein Leben ist blau!“ Von Künstlern, Königen und Kuriositäten – Entdeckertouren per Rad oder zu Fuß im Fünfseenland und Pfaffenwinkel. J. Berg Verlag, München, S. 58-63.

Dollinger, Hans (2009): „Graf war hinterfotzig, glänzend gelaunt, grob und lyrisch...“ Erinnerung an die heute vergessene Freundschaft zwischen Oskar Maria Graf und dem Kulturphilosophen Ludwig Marcuse. In: Jahrbuch der Oskar Maria Graf-Gesellschaft, S. 70-73.

Gämmerler, Heidi (1986): Oskar Maria Graf – Jugendjahre am Starnberger See im Spiegel seiner Werke (Ickinger Hefte 4). Icking.

Heißerer, Dirk (2003): O. M. Graf: Berg, Aufkirchen. In: Landpartie literarisch. Auf den Spuren großer Dichter im Münchner Umland. Hg. von Christian Krügel. P. Kirchheim Verlag, München, S. 17-24.

Heißerer, Dirk (2010): Wellen, Wind und Dorfbanditen. Literarische Erkundungen am Starnberger See. Diederichs Verlag, München, S. 62-95.

Holzheimer, Gerd (20062): Auf Trüffeljagd im Fünfseenland. Eine kulturelle Spurensuche. Allitera Verlag, München.

Kaufmann, Ulrich (2006): „Der schönste Tag mit Schiller“. Oskar Maria Grafs Begegnungen mit einem Klassiker. In: Jahrbuch der Oskar Maria Graf-Gesellschaft, S. 79-88.

Recknagel, Rolf (19843): Ein Bayer in Amerika. Oskar Maria Graf – Leben und Werk. Verlag der Nation, Berlin.

Schober, Gerhard (1998): Frühe Villen und Landhäuser am Starnberger See. Zur Erinnerung an eine Kulturlandschaft. Oreos Verlag, Waakirchen.

Stankiewitz, Karl (2005): Poeten-Pfade in Bayern. Literarische Wanderungen zwischen Alpen, Spessart und Böhmerwald. Verlag Kiebitz Buch, Vilsbiburg.

 

Primärliteratur:

Oskar Maria Graf: Wir sind Gefangene. Ein Bekenntnis aus diesem Jahrzehnt. Werkausgabe in 16 Bänden. Hg. von Wilfried F. Schoeller. Bd. 1-13. List Verlag, München/Leipzig 1994, Bd. 1.

Oskar Maria Graf: Das Leben meiner Mutter. Werkausgabe in 16 Bänden. Hg. von Wilfried F. Schoeller. Bd. 1-13. List Verlag, München/Leipzig 1994, Bd. 5.

Oskar Maria Graf: Kalendergeschichten I. Geschichten vom Land. Werkausgabe in 16 Bänden. Hg. von Wilfried F. Schoeller. Bd. 1-13. List Verlag, München/Leipzig 1994, Bd. 11,2.

Oskar Maria Graf: Erzählungen aus dem Exil. Gesammelte Erzählungen, Bd. 2. Werkausgabe in 16 Bänden. Hg. von Wilfried F. Schoeller. Bd. 1-13. List Verlag, München/Leipzig 1994, Bd. 11,4.

Oskar Maria Graf: Das Leben meiner Mutter. Mit einem Nachwort von Hans-Albert Walter. Deutscher Taschenbuch Verlag, 5. Aufl. München 1986.

Oskar Maria Graf: Dorfbanditen. Erlebnisse aus meinen Schul- und Lehrlingsjahren. Text der Erstausgabe von 1932. Hg. von Ulrich Dittmann (edition monacensia). Allitera Verlag, München 2011.

Oskar Maria Graf: Notizen des Provinzschriftstellers Oskar Maria Graf 1932. Text der Erstausgabe von 1932. Hg. von Ulrich Dittmann (edition monacensia). Allitera Verlag, München 2011.

 

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