Der Spaziergang führt vom Rathaus (1/2) am See entlang zur Klosterkirche (3) und zum Gymnasium (4). Von der ehemaligen Hoffischerei (5) und dem früheren Klosterrichterhaus in der Seestraße (6) über die Bahnhofstraße links in den Carl-Miller-Weg (7), dann in die Rosenstraße bis zum „Stroh am Alpbach“ (8), Maibaum und Tegernseer Hof (9). Am Eingang der Rosenstraße (10) weiter zur Seeanlage Länd (11).

Anhand von Wappen lässt sich eine spannende Reise in die Vergangenheit unternehmen. Wappen erzählen Geschichte. Wir begegnen im heraldischen Bild einer Symbolik, deren Bedeutung uns heute unmittelbar nicht mehr zugänglich und verständlich ist, die wir aufschlüsseln müssen.

Der Wappengebrauch begegnet seit dem 12. Jahrhundert in West- und Mitteleuropa zuerst im Rittertum. Das Wort „Wappen“ ist von der niederdeutschen Form für Waffen (wappen) abgeleitet und das gesamte Wappenwesen, die sog. Heraldik, stammt aus der Bewaffnung des mittelalterlichen Ritters. In der frühen Zeit des Wappengebrauches war das Führen von Wappen immer mit Krieg und Turnieren verbunden. Seit dem 12. Jahrhundert musste der Ritter auf einem Pferd, der in einer Rüstung steckte und somit als Person nicht mehr erkennbar war, durch ein Zeichen identifizierbar gemacht werden. Deshalb wurden auf die Fläche seiner wichtigsten Verteidigungswaffe ─ auf sein Schild ─ Bilder oder geometrische Teilungen farbig gemalt. Diese Bilder wurden dann später auch zu Familienwappen und zu Herrschafts- oder Besitzkennzeichen, wenn sie an Gebäuden oder an Gegenständen angebracht waren.

Nicht nur echte Herrscher und Ritter, sondern auch solche, denen wir in mittelalterlichen Romanen begegnen, tragen immer Wappen auf Schild, Helm oder Fahne. Mit diesen Wappenbildern war stets eine Symbolik verbunden, die eng verknüpft war mit der Person des Helden, seiner Herkunft, seinen Charakterzügen und seinem Schicksal. In vielen Wappen spielten Tiere und Pflanzen dabei als Bildelemente eine große Rolle. Um diese aus dem Mittelalter und Spätmittelalter stammenden Wappen zu verstehen, benötigt man als Schlüssel nicht nur geschichtliche Kenntnisse, sondern oft auch Kenntnisse über das mittelalterliche Naturverständnis und die damalige Tier- und Pflanzensymbolik.

Seit dem 13. Jahrhundert begegnet der Wappengebrauch auch im geistlichen Bereich und bei Städten und Gemeinden. Wegen der ursprünglichen Wappenverwendung im weltlich-kriegerischen Bereich zögerte die hohe Geistlichkeit zuerst lange mit der Verwendung der Wappen für ihre Zwecke. Rund hundert Jahre nach dem Aufkommen der Wappen im Ritterstand fingen dann aber doch auch kirchliche Würdenträger damit an, Wappen in Siegeln, Kirchen und Kirchengegenständen anzubringen. Orden und Klöster schlossen sich diesem Brauch an, gestalteten und wählten Wappen. Und auch Städte und Märkte gingen zum Wappengebrauch über. Die überlieferten Wappen-Bilder sind von größter Mannigfaltigkeit. Tiere und Pflanzen, Gebrauchsgegenstände aller Art, Gebäude und Gebäudeteile, menschliche Gestalten, Kirchenpatrone, die zu Stadtpatronen werden, bilden das weite Feld der Figuren, die für Wappen benutzt werden.

Das Wappen der Stadt Tegernsee entstand aus dem Tegernseer Klosterwappen. Es zeigt zwei mal zwei ineinander verschlungene Seelaubblätter über wogenden Wellen und zweimal drei Kronen. Das Seelaub, ein stilisiertes Seerosenblatt, ist dabei das älteste heraldische Zeichen für die Benediktinerabtei. Der Spaziergang begibt sich auf die Spuren des Klosterwappens von Tegernsee, unternimmt einen Ausflug in die Welt der Wappen und mittelalterlichen Pflanzensymbolik.

 

Spaziergang starten: Station 1 von 11 Stationen

 

Verfasser: TELITO / Dr. Ingvild Richardsen

Die „12 Tegernseer LiteraTouren“ sind ein Projektergebnis von TELITO, den „Tegernseer LiteraTouren“, in Kooperation mit der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT). TELITO ist ein Modell- und Demonstrationsvorhaben im Rahmen des „Bundesprogramm Ländliche Entwicklung (BULE)“ und der Bekanntmachung „LandKULTUR – kulturelle Aktivitäten und Teilhabe in ländlichen Räumen“. Es wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) finanziert.

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