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10.10.2012, 21:12 Uhr
Joachim Schultz
Oskar Panizza-Reihe
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Oskar Panizza schuf mit der satirisch-grotesken Himmelstragödie "Das Liebeskonzil" (1894) den Anlass für einen der skandalösesten Blasphemieprozesse der deutschen Literaturgeschichte. Seit Oktober 2012 liest Joachim Schultz wöchentlich Werke von Oskar Panizza und begleitet ihn auf seinen Lebensstationen.

Panizza-Blog [1]: Ein Anfang über Familie und Religion

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Hôtel de Russie - Bad Kissingen. Ausschnitt einer Werbekarte vom Hotel des Vaters Karl Panizza (um 1850)

Oskar Panizza (1853-1921) ist immer noch ein umstrittener Autor. Weder in seiner Geburtsstadt Bad Kissingen noch in Bayreuth, wo er gestorben ist, wurde bisher eine Straße nach ihm benannt. Es lohnt sich, seinen Lebensweg einmal genau zu verfolgen, um vielleicht so die Gründe für diese Missachtung zu finden.

Am 12. November 1853 wird er in Bad Kissingen geboren. Sein Vater betreibt dort das Hotel Russischer Hof. Oskar wird katholisch getauft, doch nach dem Tod des Vaters werden alle Kinder auf Wunsch der Mutter protestantisch. Zeitweise versteckt die Mutter die Kinder bei Verwandten, um sie der katholischen Kirche zu entziehen. Damals herrscht noch eine feindselige Trennung zwischen den Konfessionen. Aber vor allem die Mutter, die unter dem Pseudonym Siona protestantische Erbauungsschriften publiziert, treibt diese unerfreuliche Situation auf die Spitze. Eine schlechte Ausgangslage für den kleinen Oskar. Der protestantische Dekan Friedrich Lippert, in den letzten Lebensjahren Panizzas Vormund, schrieb: „Die Ehe seiner Eltern enthielt die denkbar größten Gegensätze: der Vater bigott römisch-katholisch – die Mutter streng biblisch-pietistisch-evangelisch; der Vater leichtsinnig und ausschweifend – die Mutter voll aufopfernder Pflichttreue, eine gute Geschäftsfrau ...“

Panizza hat später in seiner Erzählung Die gelbe Kröte (1896) ein sehr negatives Bild (s)einer Mutter gezeichnet: eine geldgierige alte Frau.

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