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Kultureller Ehrenpreis der Stadt München für Uwe Timm

Der Stadtrat der Landeshauptstadt München beschloss in seiner heutigen Sitzung,  Uwe Timm mit dem Kulturellen Ehrenpreis 2013 auszuzeichnen. Mit dem mit 10.000 Euro dotierten Preis wird jährlich eine Persönlichkeit von internationaler Ausstrahlung für ihre künstlerischen, kulturellen oder wissenschaftlichen Leistungen ausgezeichnet.

Der Jury unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Christian Ude gehörten an: Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers, Florian Ganslmeier (Münchner Kammerorchester), Dr. Dieter Heß (BR), Viola Jäger (Olga-Film), Antje Kunstmann (Verlag Antje Kunstmann), Prof. Dieter Rehm (Akademie der Bildenden Künste) und die e.a. Stadträte Nikolaus Gradl, Richard Quaas, Klaus-Peter Rupp, Dr. Florian Vogel und Walter Zöller.

 

Jurybegründung

Literatur ist ein „schöner Überfluss“ hat Uwe Timm in seiner Poetikvorlesung bemerkt, notwendig sei sie nicht. Das sehen die zahlreichen Leserinnen und Leser von Uwe Timm anders, das sieht man in München anders, wo der schöne Überfluss der Literatur wie kaum in einer anderen Stadt der Republik spürbar ist: Der Kulturelle Ehrenpreis der Stadt München 2013 geht an den Schriftsteller Uwe Timm, der aus Hamburg stammt, aber seit über 40 Jahren in München lebt und das literarische Leben in der Stadt immens bereichert.

Uwe Timm ist ein großer Erzähler, er ist aber auch Essayist und Theoretiker, dem das Nachdenken über Literatur, über Sprache und Form, Erfindung und Realität, ebenso selbstverständlich ist wie das Fabulieren. Uwe Timm ist nicht zuletzt Zeitzeuge einer Generation, die von der historischen Umbruchsituation 67/68 in der alten Bundesrepublik geprägt wurde und die diesen Aufbruch geprägt hat. In seinen Romanen sind die vielen Facetten individueller und kollektiver Erschütterungen dieser Generation präsent, die großen gesellschaftlichen Themen, und  immer stellt sich die Frage: Wie wollen wir leben?

In Heißer Sommer, Timms Debüt 1974, sucht ein junger Mann, der in eine aufgewühlte politische Szenerie gerät, Antworten auf die drängenden Fragen seiner Existenz. Mit Morenga (1976), einem Roman aus dem Inneren von Rassismus und Kolonialismus, erzählt er  ein fast vergessenes Kapitel deutscher Geschichte. Kopfjäger dagegen ist ein witziger Schelmenroman über einen betrügerischen Geldmann von gespenstischer Aktualität. Und mit seinem vielleicht persönlichsten Buch Am Beispiel meines Bruders versucht der Autor dem Rätsel auf die Spur zu kommen, wie aus einem sanften, ängstlichen Jungen ein SS- Mann werden konnte.

Schon in diesen aus Uwe Timms Werk eher zufällig herausgegriffenen Titel scheint die thematische Bandbreite des Schriftstellers auf, der alle Formen des Erzählens souverän beherrscht und zudem ein grandioser Beobachter ist. Die Protagonisten seiner Romane, ihre Erfahrungen, Einsichten, die geglückten und gescheiterten Lebensentwürfe – alles ist so lebendig, so sinnlich, so wahr erzählt, dass für die Leser nicht nur Verwandtschaften entstehen, sondern immer auch Erkenntnis.

Die Literatur als schöner Überfluß enthält ein Moment der Freiheit, ein Moment des Humanen. Uwe Timms Romane erzählen von diesen Momenten. Sie spiegeln die Geschichten und die Geschichte seiner, unserer Generation. Und sie spiegeln die Mentalitätsgeschichte der Bundesrepublik nach 68. Der Kulturelle Ehrenpreis der Stadt München würdigt mit Uwe Timm einen großartigen Erzähler, in dessen Werk wir uns vergewissern können, wer wir sind.

Oberbürgermeister Christian Ude wird den Preis im Rahmen einer geschlossenen Feier am 21. Januar 2014 im Alten Rathaussaal überreichen.



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