Heinz Friedrich an Wolfdietrich Schnurre
Die Erwerbung von Nachlässen hat „die Geschichte der Bibliothek von ihren Anfängen bis zur Gegenwart begleitet.“ So schreibt Karl Dachs, der Leiter der Abteilung für Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek, in seiner Einleitung zur ersten systematischen Verzeichnung der schriftlichen Nachlässe in dieser Institution aus dem Jahr 1970. In den letzten 50 Jahren seit Erscheinen seines Buches hat sich der Bestand an Nachlässen dort fast verdreifacht. Das Literaturportal Bayern stellt deshalb in regelmäßigen Abständen ausgewählte Stücke von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in seinem Journal vor.
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Masch. Briefdurchschlag, Roßdorf b. Darmstadt 20.1.1949, 20,5 x 29,5 cm; Ana 655, frühe Korrespondenz, Schnurre, Wolfdietrich
Heinz Friedrich wurde 1922 in Roßdorf bei Darmstadt geboren. Nach dem Notabitur 1940 einberufen, erlebte er gegen Ende des Kriegs unter quälenden Umständen den Untergang der Feste Königsberg mit. In die Heimat zurückgekehrt gelang ihm nach anfänglichen Schwierigkeiten ein rascher beruflicher Aufstieg. Ab 1949 war er beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt tätig, 1959 wechselte er als Cheflektor zu Fischer und anschließend als Programmdirektor zu Radio Bremen. 1961 wurde er zum Geschäftsführenden Direktor des dtv (Deuscher Taschenbuchverlag) berufen. Während seiner bis 1990 währenden Leitung wurden ca. 6.400 Titel verlegt und der dtv entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Taschenbuchverlage. Von 1983 bis 1995 fungierte er als Präsident der Akademie der Schönen Künste in München.
Im Jahr 2001 schenkten Heinz Friedrich und seine Frau Maria noch zu Lebzeiten der Bayerischen Staatsbibliothek ihr umfangreiches Privatarchiv. Mit ca. 250 laufenden Metern stellt dieser Nachlass den größten Bestandszuwachs in den letzten Jahrzehnten dar. Das Material ist von besonderer Bedeutung, da es die deutsche Literatur- und Kulturgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in großen Teilen exemplarisch dokumentiert.
© Archiv Bayerische Staatsbibliothek
Das Herzstück des Nachlasses bilden die ausführlichen, oft viele Jahrzehnte umspannenden Briefwechsel mit bekannten Schriftstellern, Künstlern und Wissenschaftlern. Sie belegen Heinz Friedrichs enorme Begabung darin, einen intensiven, auch persönlichen Kontakt zu seinem Gegenüber aufzubauen, dessen schöpferische Erzeugnisse zu erfassen und sich dafür zu begeistern. Exemplarisch für die Briefwechsel Friedrichs steht der mit dem Schriftsteller Wolfdietrich Schnurre (1920-1989). Die beiden trafen sich zum ersten Mal persönlich anlässlich des Treffens am Bannwaldsee im September 1947, das später als „Gründungstreffen der Gruppe 47“ in die deutsche Literaturgeschichte einging. Schon früh standen sie der Gruppe zeitweise ablehnend gegenüber. So schrieb Friedrich Schnurre am 20. Januar 1948: „Je mehr ich erlebe und mir ordne, um so tiefer wird meine Abneigung gegen die GRUPPE 47. Ich habe mit ihr innerlich nichts mehr gemein. Abgründe, unübersteigbare, trennen uns.“
In den späteren Jahren besuchte Friedrich die Treffen der „Gruppe 47“ im Gegensatz zu Schnurre, der nur noch sporadisch teilnahm, jedoch regelmäßig. Friedrich und Schnurre blieben bis zu Schnurres Tod in Kontakt, berichteten sich über die wichtigen Ereignisse in ihrem Leben und reflektierten gemeinsam sowohl über ihre persönliche Entwicklung als auch über die der deutschen Literatur und Gesellschaft.
Bacher, R. (2022): „Aber leben wir wirklich?“ Zum 100. Geburtstag von Heinz Friedrich. In: Bibliotheksmagazin 2, S. 19-23.
Quellen:
H. Friedrich: Erlernter Beruf: Keiner. Erinnerungen an das 20. Jahrhundert. München 2006.
Ders.: Vom Gegenglück des Geistes. München 2002.
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Die Erwerbung von Nachlässen hat „die Geschichte der Bibliothek von ihren Anfängen bis zur Gegenwart begleitet.“ So schreibt Karl Dachs, der Leiter der Abteilung für Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek, in seiner Einleitung zur ersten systematischen Verzeichnung der schriftlichen Nachlässe in dieser Institution aus dem Jahr 1970. In den letzten 50 Jahren seit Erscheinen seines Buches hat sich der Bestand an Nachlässen dort fast verdreifacht. Das Literaturportal Bayern stellt deshalb in regelmäßigen Abständen ausgewählte Stücke von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in seinem Journal vor.
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Masch. Briefdurchschlag, Roßdorf b. Darmstadt 20.1.1949, 20,5 x 29,5 cm; Ana 655, frühe Korrespondenz, Schnurre, Wolfdietrich
Heinz Friedrich wurde 1922 in Roßdorf bei Darmstadt geboren. Nach dem Notabitur 1940 einberufen, erlebte er gegen Ende des Kriegs unter quälenden Umständen den Untergang der Feste Königsberg mit. In die Heimat zurückgekehrt gelang ihm nach anfänglichen Schwierigkeiten ein rascher beruflicher Aufstieg. Ab 1949 war er beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt tätig, 1959 wechselte er als Cheflektor zu Fischer und anschließend als Programmdirektor zu Radio Bremen. 1961 wurde er zum Geschäftsführenden Direktor des dtv (Deuscher Taschenbuchverlag) berufen. Während seiner bis 1990 währenden Leitung wurden ca. 6.400 Titel verlegt und der dtv entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Taschenbuchverlage. Von 1983 bis 1995 fungierte er als Präsident der Akademie der Schönen Künste in München.
Im Jahr 2001 schenkten Heinz Friedrich und seine Frau Maria noch zu Lebzeiten der Bayerischen Staatsbibliothek ihr umfangreiches Privatarchiv. Mit ca. 250 laufenden Metern stellt dieser Nachlass den größten Bestandszuwachs in den letzten Jahrzehnten dar. Das Material ist von besonderer Bedeutung, da es die deutsche Literatur- und Kulturgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in großen Teilen exemplarisch dokumentiert.
© Archiv Bayerische Staatsbibliothek
Das Herzstück des Nachlasses bilden die ausführlichen, oft viele Jahrzehnte umspannenden Briefwechsel mit bekannten Schriftstellern, Künstlern und Wissenschaftlern. Sie belegen Heinz Friedrichs enorme Begabung darin, einen intensiven, auch persönlichen Kontakt zu seinem Gegenüber aufzubauen, dessen schöpferische Erzeugnisse zu erfassen und sich dafür zu begeistern. Exemplarisch für die Briefwechsel Friedrichs steht der mit dem Schriftsteller Wolfdietrich Schnurre (1920-1989). Die beiden trafen sich zum ersten Mal persönlich anlässlich des Treffens am Bannwaldsee im September 1947, das später als „Gründungstreffen der Gruppe 47“ in die deutsche Literaturgeschichte einging. Schon früh standen sie der Gruppe zeitweise ablehnend gegenüber. So schrieb Friedrich Schnurre am 20. Januar 1948: „Je mehr ich erlebe und mir ordne, um so tiefer wird meine Abneigung gegen die GRUPPE 47. Ich habe mit ihr innerlich nichts mehr gemein. Abgründe, unübersteigbare, trennen uns.“
In den späteren Jahren besuchte Friedrich die Treffen der „Gruppe 47“ im Gegensatz zu Schnurre, der nur noch sporadisch teilnahm, jedoch regelmäßig. Friedrich und Schnurre blieben bis zu Schnurres Tod in Kontakt, berichteten sich über die wichtigen Ereignisse in ihrem Leben und reflektierten gemeinsam sowohl über ihre persönliche Entwicklung als auch über die der deutschen Literatur und Gesellschaft.
Bacher, R. (2022): „Aber leben wir wirklich?“ Zum 100. Geburtstag von Heinz Friedrich. In: Bibliotheksmagazin 2, S. 19-23.
Quellen:
H. Friedrich: Erlernter Beruf: Keiner. Erinnerungen an das 20. Jahrhundert. München 2006.
Ders.: Vom Gegenglück des Geistes. München 2002.

