Paul Heyse an Theodor Fontane
Die Erwerbung von Nachlässen hat „die Geschichte der Bibliothek von ihren Anfängen bis zur Gegenwart begleitet.“ So schreibt Karl Dachs, der Leiter der Abteilung für Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek, in seiner Einleitung zur ersten systematischen Verzeichnung der schriftlichen Nachlässe in dieser Institution aus dem Jahr 1970. In den letzten 50 Jahren seit Erscheinen seines Buches hat sich der Bestand an Nachlässen dort fast verdreifacht. Das Literaturportal Bayern stellt deshalb in regelmäßigen Abständen ausgewählte Stücke von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in seinem Journal vor.
*
Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, München 11.2.1859, 26,5 x 21 cm; Heyse-Archiv I 33, Fontane, Theodor, Nr. 5
Paul Heyse (1830-1914) wuchs in Berlin auf und war dort häufiger Gast der Familie Mendelsohn-Bartholdy, mit der er über seine Mutter verwandt war. 1846 wurde er von dem Lyriker Emanuel Geibel in den Kreis um den Kunsthistoriker Franz Kugler (dessen Tochter Margaretha er heiratete) eingeführt. Dort und in dem Schriftstellerbund „Tunnel über der Spree“, dem er unter dem Namen „Hölty“ beitrat, verkehrte er mit den literarischen Größen seiner Zeit. Auf eine akademische Laufbahn in Fortsetzung seiner Studien der romanischen Sprachen verzichtete Heyse, nachdem ihm eine Einladung von König Maximilian II. nach München ab 1854 die Möglichkeit einer finanziell abgesicherten Existenz als freier Schriftsteller gab. Er begründete in München den literarischen Verein „Die Krokodile“, dem dann Geibel, Lingg, Hertz, Bodenstedt, Graf Schack, Dahn u.a. angehörten. Heyse war in den folgenden Jahrzehnten literarisch enorm produktiv, sein Schaffen von strahlendem Erfolg begleitet. 1910 wurde er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Er heiratete nach dem Tod seiner ersten Frau erneut und hatte aus beiden Ehen sechs Kinder, von denen zwei jung starben. Die Tatsache, dass Heyse bis heute immer weniger rezipiert wird, ist selbst zum Gegenstand der Forschung geworden.
Heyse war im zwischenmenschlichen Bereich sehr talentiert und pflegte zahlreiche Freundschaften. Von 1850 bis 1897 korrespondierte er mit dem älteren Theodor Fontane (1819-1898). Heyse und Fontane blieben ein Leben lang verbunden, obwohl das Verhältnis trotz der hohen gegenseitigen Wertschätzung von beiden Seiten auch kritisch gesehen wurde und der Kontakt immer wieder abzubrechen drohte. Fontane las von kaum einem anderen Autor so viele Werke wie von Heyse.
© Archiv Bayerische Staatsbibliothek
In dem abgebildeten Brief, der Teil des umfangreichen Heyse-Archivs ist, schreibt Heyse am 11. Februar 1859 „[…] nichts leichter, als Dich zum König zu bringen. Du kommst, siehst und siegst, und das Weitere findet sich. Was Du an Balladen und anderen Kostbarkeiten besitzest, raffst Du zusammen. Kannst Du über Nacht noch etwas Wittelsbachisches schmieden, ist’s gut. Wo nicht, auch gut.“ Fontane folgte dem Aufruf des Freundes und kam für fünf Wochen nach München, seine Einführung bei Hof zeitigte jedoch nicht die erhofften Folgen und so siedelte Fontane nie nach München über, was er zeitweilig sehr ernsthaft erwogen hatte.
F. Martini, Heyse, Paul, in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 100-102,
https://www.deutsche-biographie.de/pnd118550772.html#ndbcontent; Der Briefwechsel zwischen Theodor Fontane und Paul Heyse, hrsg. von G. Erler, Berlin und Weimar 1972; , S. v. Moisy, Paul Heyse. Münchner Dichterfürst im bürgerlichen Zeitalter, München 1981; Fontane-Handbuch, hrsg. von Chr. Grawe, Stuttgart 2000, S. 331-334; Chr. Grube, Warum werden Dichter vergessen? Mechanismen literarisches Kanonisierung am Beispiel von Paul Heyse und Wilhelm Raabe, Bielefeld 2014.
Paul Heyse an Theodor Fontane>
Die Erwerbung von Nachlässen hat „die Geschichte der Bibliothek von ihren Anfängen bis zur Gegenwart begleitet.“ So schreibt Karl Dachs, der Leiter der Abteilung für Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek, in seiner Einleitung zur ersten systematischen Verzeichnung der schriftlichen Nachlässe in dieser Institution aus dem Jahr 1970. In den letzten 50 Jahren seit Erscheinen seines Buches hat sich der Bestand an Nachlässen dort fast verdreifacht. Das Literaturportal Bayern stellt deshalb in regelmäßigen Abständen ausgewählte Stücke von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in seinem Journal vor.
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Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, München 11.2.1859, 26,5 x 21 cm; Heyse-Archiv I 33, Fontane, Theodor, Nr. 5
Paul Heyse (1830-1914) wuchs in Berlin auf und war dort häufiger Gast der Familie Mendelsohn-Bartholdy, mit der er über seine Mutter verwandt war. 1846 wurde er von dem Lyriker Emanuel Geibel in den Kreis um den Kunsthistoriker Franz Kugler (dessen Tochter Margaretha er heiratete) eingeführt. Dort und in dem Schriftstellerbund „Tunnel über der Spree“, dem er unter dem Namen „Hölty“ beitrat, verkehrte er mit den literarischen Größen seiner Zeit. Auf eine akademische Laufbahn in Fortsetzung seiner Studien der romanischen Sprachen verzichtete Heyse, nachdem ihm eine Einladung von König Maximilian II. nach München ab 1854 die Möglichkeit einer finanziell abgesicherten Existenz als freier Schriftsteller gab. Er begründete in München den literarischen Verein „Die Krokodile“, dem dann Geibel, Lingg, Hertz, Bodenstedt, Graf Schack, Dahn u.a. angehörten. Heyse war in den folgenden Jahrzehnten literarisch enorm produktiv, sein Schaffen von strahlendem Erfolg begleitet. 1910 wurde er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Er heiratete nach dem Tod seiner ersten Frau erneut und hatte aus beiden Ehen sechs Kinder, von denen zwei jung starben. Die Tatsache, dass Heyse bis heute immer weniger rezipiert wird, ist selbst zum Gegenstand der Forschung geworden.
Heyse war im zwischenmenschlichen Bereich sehr talentiert und pflegte zahlreiche Freundschaften. Von 1850 bis 1897 korrespondierte er mit dem älteren Theodor Fontane (1819-1898). Heyse und Fontane blieben ein Leben lang verbunden, obwohl das Verhältnis trotz der hohen gegenseitigen Wertschätzung von beiden Seiten auch kritisch gesehen wurde und der Kontakt immer wieder abzubrechen drohte. Fontane las von kaum einem anderen Autor so viele Werke wie von Heyse.
© Archiv Bayerische Staatsbibliothek
In dem abgebildeten Brief, der Teil des umfangreichen Heyse-Archivs ist, schreibt Heyse am 11. Februar 1859 „[…] nichts leichter, als Dich zum König zu bringen. Du kommst, siehst und siegst, und das Weitere findet sich. Was Du an Balladen und anderen Kostbarkeiten besitzest, raffst Du zusammen. Kannst Du über Nacht noch etwas Wittelsbachisches schmieden, ist’s gut. Wo nicht, auch gut.“ Fontane folgte dem Aufruf des Freundes und kam für fünf Wochen nach München, seine Einführung bei Hof zeitigte jedoch nicht die erhofften Folgen und so siedelte Fontane nie nach München über, was er zeitweilig sehr ernsthaft erwogen hatte.
F. Martini, Heyse, Paul, in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 100-102,
https://www.deutsche-biographie.de/pnd118550772.html#ndbcontent; Der Briefwechsel zwischen Theodor Fontane und Paul Heyse, hrsg. von G. Erler, Berlin und Weimar 1972; , S. v. Moisy, Paul Heyse. Münchner Dichterfürst im bürgerlichen Zeitalter, München 1981; Fontane-Handbuch, hrsg. von Chr. Grawe, Stuttgart 2000, S. 331-334; Chr. Grube, Warum werden Dichter vergessen? Mechanismen literarisches Kanonisierung am Beispiel von Paul Heyse und Wilhelm Raabe, Bielefeld 2014.

