Franz Lenbach an Adolf Friedrich Graf von Schack
Die Erwerbung von Nachlässen hat „die Geschichte der Bibliothek von ihren Anfängen bis zur Gegenwart begleitet.“ So schreibt Karl Dachs, der Leiter der Abteilung für Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek, in seiner Einleitung zur ersten systematischen Verzeichnung der schriftlichen Nachlässe in dieser Institution aus dem Jahr 1970. In den letzten 50 Jahren seit Erscheinen seines Buches hat sich der Bestand an Nachlässen dort fast verdreifacht. Das Literaturportal Bayern stellt deshalb in regelmäßigen Abständen ausgewählte Stücke von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in seinem Journal vor.
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Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, Rom 22.3.1865, 14 x 22 cm; Schackiana I. Lenbach, Franz von, Nr. 4
Adolf Friedrich Graf von Schack (1815-1894) wuchs in Halle/Saale auf und besuchte die Schule der Franckeschen Stiftungen. Anschließend studierte er auf Wunsch der Eltern zunächst Jura, trat in den Staatsdienst ein und reiste viel (1835-36 in die Schweiz, nach Südfrankreich und Italien, 1838-40 an das Mittelmeer und in den Vorderen Orient). Schack veröffentlichte Werke über das spanische Theater, was seinen Ruf als Hispanist begründete. Nachdem er Arabisch, Persisch und Sanskrit erlernt hatte, widmete er sich der Übersetzung des persischen Epos Die Heldensage des Firdusi. In der Folge lud ihn König Maximilian II. nach München ein, wo Schack ab 1856 wohnte. Neben zahlreichen Übersetzungen schuf Schack auch Gedichte, die z.T. von Johannes Brahms und Richard Strauss vertont wurden.
Schacks bleibende Leistung besteht darin, seine finanziellen Mittel mit viel Geschick zum Aufbau einer privaten Kunstsammlung zu nutzen. Es war ihm sehr daran gelegen, Kopien alter Meister zu erwerben. Zu diesem Zweck sandte er junge Maler nach Rom, damit sie dort nach seinen Anweisungen kopierten. Sehr interessant sind die Briefe der Künstler an Schack, die in der Bayerischen Staatsbibliothek aufbewahrt werden. In einem Brief aus Rom von Franz Lenbach (1836-1904), der mit „Hochgeehrter Herr Baron!“ beginnt, schreibt Lenbach zunächst, dass er 750 Gulden von Schack erhalten habe und dankt für „diese wiederholte Güte und Fürsorge“. Anschließend geht er auf die Kopie ein, die er in einer Woche abschicken werde und erklärt die Verzögerung seiner Arbeit durch anhaltendes Regenwetter und die dadurch verursachte Dunkelheit in der Galerie, die das Arbeiten unmöglich gemacht habe. Lenbach fungiert außerdem als Mittler zwischen Schack und seinen Malerkollegen Arnold Böcklin (1827-1901) und Hans von Marées (1837-1887), er berichtet, wie er die beiden (Böcklin vergeblich) aufsuchte, dass Marées seinerseits bald schreiben werde und: „Marées Copie, die ich heute sah, scheint sehr gut zu werden“. Der Brief spiegelt sehr eindrücklich die Abhängigkeit, in der sich die Maler befanden und den Erfolgsdruck, termingerecht zu liefern.
© Archiv Bayerische Staatsbibliothek
Dass es sich bei den im Brief erwähnten Malern durchwegs um heute berühmte Künstler handelt, beweist Schacks Begabung im Entdecken und Fördern von Talenten. Seine Sammlung galt schon bald als sehenswert. Er vermachte sie, da er sich in München missachtet wähnte, Kaiser Wilhelm II., der sie jedoch in München beließ. Schon 1869 umfasste Schacks Sammlung über 150 Gemälde, wobei die Schwerpunkte auf den Spätromantikern (besonders Moritz von Schwind) und den Deutschrömern (Anselm Feuerbach, Hans von Marées, Arnold Böcklin) sowie einer überwiegend von Lenbach geschaffenen Sammlung von Kopien nach Alten Meistern liegen. Die Sammlung Schack zählt heute zu den bekanntesten Museen Münchens.
Chrambach, Eva, Schack, Adolf Graf von, in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 492f.,
https://www.deutsche-biographie.de/pnd118606042.html#ndbcontent.
Franz Lenbach an Adolf Friedrich Graf von Schack>
Die Erwerbung von Nachlässen hat „die Geschichte der Bibliothek von ihren Anfängen bis zur Gegenwart begleitet.“ So schreibt Karl Dachs, der Leiter der Abteilung für Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek, in seiner Einleitung zur ersten systematischen Verzeichnung der schriftlichen Nachlässe in dieser Institution aus dem Jahr 1970. In den letzten 50 Jahren seit Erscheinen seines Buches hat sich der Bestand an Nachlässen dort fast verdreifacht. Das Literaturportal Bayern stellt deshalb in regelmäßigen Abständen ausgewählte Stücke von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in seinem Journal vor.
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Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, Rom 22.3.1865, 14 x 22 cm; Schackiana I. Lenbach, Franz von, Nr. 4
Adolf Friedrich Graf von Schack (1815-1894) wuchs in Halle/Saale auf und besuchte die Schule der Franckeschen Stiftungen. Anschließend studierte er auf Wunsch der Eltern zunächst Jura, trat in den Staatsdienst ein und reiste viel (1835-36 in die Schweiz, nach Südfrankreich und Italien, 1838-40 an das Mittelmeer und in den Vorderen Orient). Schack veröffentlichte Werke über das spanische Theater, was seinen Ruf als Hispanist begründete. Nachdem er Arabisch, Persisch und Sanskrit erlernt hatte, widmete er sich der Übersetzung des persischen Epos Die Heldensage des Firdusi. In der Folge lud ihn König Maximilian II. nach München ein, wo Schack ab 1856 wohnte. Neben zahlreichen Übersetzungen schuf Schack auch Gedichte, die z.T. von Johannes Brahms und Richard Strauss vertont wurden.
Schacks bleibende Leistung besteht darin, seine finanziellen Mittel mit viel Geschick zum Aufbau einer privaten Kunstsammlung zu nutzen. Es war ihm sehr daran gelegen, Kopien alter Meister zu erwerben. Zu diesem Zweck sandte er junge Maler nach Rom, damit sie dort nach seinen Anweisungen kopierten. Sehr interessant sind die Briefe der Künstler an Schack, die in der Bayerischen Staatsbibliothek aufbewahrt werden. In einem Brief aus Rom von Franz Lenbach (1836-1904), der mit „Hochgeehrter Herr Baron!“ beginnt, schreibt Lenbach zunächst, dass er 750 Gulden von Schack erhalten habe und dankt für „diese wiederholte Güte und Fürsorge“. Anschließend geht er auf die Kopie ein, die er in einer Woche abschicken werde und erklärt die Verzögerung seiner Arbeit durch anhaltendes Regenwetter und die dadurch verursachte Dunkelheit in der Galerie, die das Arbeiten unmöglich gemacht habe. Lenbach fungiert außerdem als Mittler zwischen Schack und seinen Malerkollegen Arnold Böcklin (1827-1901) und Hans von Marées (1837-1887), er berichtet, wie er die beiden (Böcklin vergeblich) aufsuchte, dass Marées seinerseits bald schreiben werde und: „Marées Copie, die ich heute sah, scheint sehr gut zu werden“. Der Brief spiegelt sehr eindrücklich die Abhängigkeit, in der sich die Maler befanden und den Erfolgsdruck, termingerecht zu liefern.
© Archiv Bayerische Staatsbibliothek
Dass es sich bei den im Brief erwähnten Malern durchwegs um heute berühmte Künstler handelt, beweist Schacks Begabung im Entdecken und Fördern von Talenten. Seine Sammlung galt schon bald als sehenswert. Er vermachte sie, da er sich in München missachtet wähnte, Kaiser Wilhelm II., der sie jedoch in München beließ. Schon 1869 umfasste Schacks Sammlung über 150 Gemälde, wobei die Schwerpunkte auf den Spätromantikern (besonders Moritz von Schwind) und den Deutschrömern (Anselm Feuerbach, Hans von Marées, Arnold Böcklin) sowie einer überwiegend von Lenbach geschaffenen Sammlung von Kopien nach Alten Meistern liegen. Die Sammlung Schack zählt heute zu den bekanntesten Museen Münchens.
Chrambach, Eva, Schack, Adolf Graf von, in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 492f.,
https://www.deutsche-biographie.de/pnd118606042.html#ndbcontent.

