Christoph Hölty: Die Maynacht
Die Erwerbung von Nachlässen hat „die Geschichte der Bibliothek von ihren Anfängen bis zur Gegenwart begleitet.“ So schreibt Karl Dachs, der Leiter der Abteilung für Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek, in seiner Einleitung zur ersten systematischen Verzeichnung der schriftlichen Nachlässe in dieser Institution aus dem Jahr 1970. In den letzten 50 Jahren seit Erscheinen seines Buches hat sich der Bestand an Nachlässen dort fast verdreifacht. Das Literaturportal Bayern stellt deshalb in regelmäßigen Abständen ausgewählte Stücke von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in seinem Journal vor.
*
Manuskript, 27 x 9 cm; Cgm 5194a
1867 erwarb die Bayerische Staatsbibliothek den Nachlass von Johann Heinrich Voß (1751-1826), die sogenannten Vossiana, aus Familienbesitz. Der Bestand umfasst zahlreiche Manuskripte von Voß, unter anderem seine berühmte Homerübersetzung sowie umfangreiche Korrespondenzen. In diesem Nachlass befanden sich auch viele fremde Manuskripte besonders von seinen Dichterkollegen aus dem Göttinger Hainbund, etwa von Friedrich Leopold Graf zu Stolberg (1750-1819), Heinrich Christian Boie (1744-1806) oder Ernst Theodor Johann Brückner (1746-1805). Am bedeutendsten sind dabei drei umfangreiche Konvolute mit Manuskripten und Briefen von Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776), dem bekanntesten Vertreter des Göttinger Hainbundes, die aus den Vossiana herausgelöst und unter den Signaturen Cgm 5194a und b sowie Cgm 5195 aufgestellt wurden. Nach Höltys frühem Tod im Alter von nur 27 Jahren waren die Manuskripte zunächst an seinen Freund Heinrich Christian Boie gegangen, den Hölty kurz vor seinem Tod zum Herausgeber seiner Werke bestimmt hatte, und 1780 an Voß, der dann schließlich zusammen mit Stolberg 1783 die erste Ausgabe der Gedichte Höltys besorgte.
Wie das Gedicht Die Maynacht zeigt, stellte die Naturbegeisterung neben vaterländischen Dichtungen und der historischen Ballade einen wesentlichen Aspekt der Lyrik dieser literarischen Vereinigung dar. Hölty gelang es in seinen Gedichten, in der Aneignung und Weiterentwicklung der „Klopstocksprache“ besonders in antiken Formen wie Ode, Elegie und Idylle einen „unverwechselbaren lyrischen Stil“ zu entwickeln, indem es ihm gelang, den „Ton wirklicher Erfahrung und Empfindung“ (Kranefuss) zu treffen.
© Archiv Bayerische Staatsbibliothek
Neben wenigen Briefen umfasst der Nachlass Höltys zwei umfangreiche Konvolute mit eigenhändig geschriebenen Gedichten, zum Teil in mehreren Fassungen, sowie Teile der Übersetzung der Batrachomyomachie und einige Prosarbeiten wie eine Biographie von Petrarca und seiner Geliebten Laura und Prosaübersetzungen von Werken Tassos und Musaeus.
Interessant ist auch ein Handexemplar der ersten Ausgabe der Gedichte Höltys von Voß (Auflage von 1795). Die vielen Überarbeitungen und Änderungen zeigen, wie stark Voß als dann alleiniger Herausgeber für seine neue Auflage 1804 in die Gedichte Höltys eingegriffen hat.
A. Kranefuss, Hölty, Ludwig Christoph Heinrich, in: W. Killy, Literaturlexikon, München 1990, S. 391ff.; S. v. Moisy, Die Vossiana der Bayerischen Staatsbibliothek, in: F. Baudach (Hg.), Johann Heinrich Voß, Eutin 1997, S. 275-293.
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Die Erwerbung von Nachlässen hat „die Geschichte der Bibliothek von ihren Anfängen bis zur Gegenwart begleitet.“ So schreibt Karl Dachs, der Leiter der Abteilung für Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek, in seiner Einleitung zur ersten systematischen Verzeichnung der schriftlichen Nachlässe in dieser Institution aus dem Jahr 1970. In den letzten 50 Jahren seit Erscheinen seines Buches hat sich der Bestand an Nachlässen dort fast verdreifacht. Das Literaturportal Bayern stellt deshalb in regelmäßigen Abständen ausgewählte Stücke von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in seinem Journal vor.
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Manuskript, 27 x 9 cm; Cgm 5194a
1867 erwarb die Bayerische Staatsbibliothek den Nachlass von Johann Heinrich Voß (1751-1826), die sogenannten Vossiana, aus Familienbesitz. Der Bestand umfasst zahlreiche Manuskripte von Voß, unter anderem seine berühmte Homerübersetzung sowie umfangreiche Korrespondenzen. In diesem Nachlass befanden sich auch viele fremde Manuskripte besonders von seinen Dichterkollegen aus dem Göttinger Hainbund, etwa von Friedrich Leopold Graf zu Stolberg (1750-1819), Heinrich Christian Boie (1744-1806) oder Ernst Theodor Johann Brückner (1746-1805). Am bedeutendsten sind dabei drei umfangreiche Konvolute mit Manuskripten und Briefen von Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776), dem bekanntesten Vertreter des Göttinger Hainbundes, die aus den Vossiana herausgelöst und unter den Signaturen Cgm 5194a und b sowie Cgm 5195 aufgestellt wurden. Nach Höltys frühem Tod im Alter von nur 27 Jahren waren die Manuskripte zunächst an seinen Freund Heinrich Christian Boie gegangen, den Hölty kurz vor seinem Tod zum Herausgeber seiner Werke bestimmt hatte, und 1780 an Voß, der dann schließlich zusammen mit Stolberg 1783 die erste Ausgabe der Gedichte Höltys besorgte.
Wie das Gedicht Die Maynacht zeigt, stellte die Naturbegeisterung neben vaterländischen Dichtungen und der historischen Ballade einen wesentlichen Aspekt der Lyrik dieser literarischen Vereinigung dar. Hölty gelang es in seinen Gedichten, in der Aneignung und Weiterentwicklung der „Klopstocksprache“ besonders in antiken Formen wie Ode, Elegie und Idylle einen „unverwechselbaren lyrischen Stil“ zu entwickeln, indem es ihm gelang, den „Ton wirklicher Erfahrung und Empfindung“ (Kranefuss) zu treffen.
© Archiv Bayerische Staatsbibliothek
Neben wenigen Briefen umfasst der Nachlass Höltys zwei umfangreiche Konvolute mit eigenhändig geschriebenen Gedichten, zum Teil in mehreren Fassungen, sowie Teile der Übersetzung der Batrachomyomachie und einige Prosarbeiten wie eine Biographie von Petrarca und seiner Geliebten Laura und Prosaübersetzungen von Werken Tassos und Musaeus.
Interessant ist auch ein Handexemplar der ersten Ausgabe der Gedichte Höltys von Voß (Auflage von 1795). Die vielen Überarbeitungen und Änderungen zeigen, wie stark Voß als dann alleiniger Herausgeber für seine neue Auflage 1804 in die Gedichte Höltys eingegriffen hat.
A. Kranefuss, Hölty, Ludwig Christoph Heinrich, in: W. Killy, Literaturlexikon, München 1990, S. 391ff.; S. v. Moisy, Die Vossiana der Bayerischen Staatsbibliothek, in: F. Baudach (Hg.), Johann Heinrich Voß, Eutin 1997, S. 275-293.

