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Der Seiltänzer und der Kirchturm: zentraler Innenraum der Stadtbibliothek Deggendorf (c) Stadtbibliothek Deggendorf
Rosengasse 10
94469 Deggendorf
Öffnungszeiten: Di – Fr: 10 – 18 Uhr; Sa: 10 – 12 Uhr
Telefon: 0991/2960-525
Fax: 0991/2960-529
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Stadtbibliothek Deggendorf

Im Kulturviertel

Erste Pläne, in Deggendorf eine Jugendbücherei einzurichten, gibt es schon vor dem Zweiten Weltkrieg, aber stets mangelt es an den finanziellen Mitteln. Doch plötzlich geht alles ganz schnell, fast zu schnell: Im Frühjahr 1954 hat die Stadt das Geld für eine Jugendbücherei beisammen; nun werden Formulare ausgefüllt, Listen durchgesehen, Bücher bestellt – und als die ersten 300 Bände eintreffen, weiß man erst einmal nicht, wohin damit, denn noch ist kein geeigneter Raum für die Jugendbibliothek gefunden. Die Bücherei wird schließlich in der neu errichteten Martinsschule untergebracht und am 12. November 1954 eröffnet. Da es sich um eine Jungenschule handelt, verwundert die erste, bereits nach vier Wochen veröffentliche Statistik nicht allzu sehr: Unter den 52 jugendlichen Büchereinutzern findet sich nur ein Mädchen; zu den beliebtesten Büchern gehören Ein fliegendes Klassenzimmer von Erich Kästner und die Winnetou-Abenteuer von Karl May.

Nur wenige Monate später beschließt der Deggendorfer Stadtrat, der Jugendbücherei in der Martinsschule eine Erwachsenenbücherei anzugliedern, die als „Städtische Volksbücherei“ im November 1955 eröffnet. Bereits ein Jahr später ist der Standort gefährdet, da in dem Schulgebäude nun auch Mädchenklassen untergebracht werden sollen, obwohl es dafür an Platz mangelt. „Man wird doch wohl einen Raum umräumen können!“, erregt sich ein Vater mit Blick auf die Volksbücherei. Zwar kann diese Gefahr gebannt werden, doch der Bestand wächst so schnell, dass ohnehin über eine Verlegung der Bücherei diskutiert wird. Im Januar 1961 bezieht sie das Souterrain der neu gebauten Turnhalle der Martinsschule.

In den sozialpolitisch bewegten 1960er Jahren stehen die Volksbildung und deren Zugänglichkeit im Zentrum der Aufmerksamkeit, und so werden im Herbst 1965 erste Stimmen laut, die die dezentrale Lage der Stadtbücherei kritisieren. Der Deggendorfer Stadtbaurat Höltl plant und gestaltet schließlich einen Neubau in der Hindenburgstraße. Im Mai 1966 beginnen die Bauarbeiten, am 21. Mai 1968 – in Paris nehmen gerade die Studentenproteste gerade ihren Anfang – wird das neue Haus eröffnet.

Der Bau von 1968 (Foto: Rudolf Scholz) und das heutige Haus der Stadtbibliothek Deggendorf

Auch der nächste Umzug der Deggendorfer Stadtbücherei fällt in ein historisches Jahr. 1984 beschließt der Stadtrat einen Neubau, da das Gebäude an der Hindenburgstraße zu klein geworden ist für die Bestände und medialen Anforderungen der Gegenwart. Als neuer Standort wird die Rosengasse auserkoren – mitten in der historischen Altstadt und unweit des Stadtmuseums, mit dem die Stadtbücherei die Basis des „Kulturviertels Deggendorf“ bildet. Die Aufgabe, ein modernes Gebäude in eine historische Struktur einzupassen, beantwortet der Architekt Hans Gollwitzer auf elegante Weise: Der zentrale Raum der neuen Stadtbücherei zitiert in den Ausmaßen den gegenüberliegenden Grabkirchturm, auf den hin er sich gläsern öffnet. Eine Seiltänzer-Statue – früher bestiegen Seiltänzer regelmäßig den Turm vom Stadtplatz aus – spaziert in luftiger Höhe durch den hohen Raum.

Der Kinderbereich und Blick von oben in den zentralen Raum (c) Stadtbibliothek Deggendorf

Im April 1989 wird das neue Haus feierlich eröffnet. Auf einer Fläche von etwa 2.000 m² werden mehr als 80.000 Medien bereitgehalten: Sachbücher, Romane, Kinder- und Jugendbücher, CDs, DVDs, Blu-Rays internationale und nationale Zeitschriften und Tageszeitungen oder Internet, W-LAN und e-Medien zum Downloaden. 2014 erhält die Stadtbibliothek Deggendorf im alljährlichen BIX-Index in allen vier Rubriken – Angebote, Nutzung, Effizienz und Entwicklungspotenzial – eine goldene Auszeichnung.