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Radierung von Johann Lindner. Aus: Nord und Süd, 1903 (Bayerische Staatsbibliothek München/Porträtsammlung)

Fürth, Alexanderstraße 13: Wassermanns Geburtshaus

Am 10. März 1873 wird Jakob Wassermann als erstes Kind von Adolf Wassermann und seiner Frau Henriette, genannt Jette, geborene Traub, in der Alexanderstraße 8 (heute Nummer 13) in Fürth geboren. Zu diesem Zeitpunkt hat die Industrialisierung der Stadt längst ihren Stempel aufgedrückt: 1835 wird die erste Eisenbahnlinie Deutschlands zwischen Fürth und Nürnberg eröffnet, wenig später der Ludwig-Donau-Main-Kanal in Betrieb genommen.

Seit 1806 gehört Fürth zu Bayern. Für die jüdischen Einwohner der Stadt bedeutet das vom bayerischen Staatsreformer Montgelas erlassene Judenedikt von 1813, das allgemein als Fortschritt auf dem Weg der Emanzipation begrüßt wird, neue Einschränkungen, da ein Reglement aus dem Jahr 1719 ihnen mehr Rechte als das Judenedikt eingeräumt hatte. Aufgrund der Eingabe der Fürther Juden setzt Montgelas den Vollzug des Verdikts zunächst aus. Doch 1820 tritt es schließlich auch in Fürth in Kraft. Stein des Anstoßes ist vor allem der sogenannte Matrikel-Paragraph, der die Zahl der jüdischen Familien beschränkt und dadurch in die Freizügigkeit und Familienplanung eingreift. Das Reglement von 1719 sah dagegen vor, dass die jüdische Gemeinde selbst über den Zuzug weiterer Familien entscheidet.

Im November 1861 hebt ein Landtagsbeschluss jenen Matrikelzwang auf, die völlige rechtliche Gleichstellung geschieht 1868. Dem alltäglichen Antisemitismus, über den auch Jakob Wassermann mehrfach berichtet, kann endlich politisch widersprochen werden. Auf den ersten jüdischen Landtagsabgeordneten, den Fürther David Morgenstern, der bereits 1848 in den bayerischen Landtag gewählt wird, folgt Samson Landmann, der von 1869 bis 1891 dem Fürther Gemeindekollegium vorsitzt. Wassermann schreibt in seiner Autobiografie Mein Weg als Deutscher und Jude:

Als ich geboren wurde, zwei Jahre nach dem Deutsch-Französischen Krieg, war für die deutschen Juden der bürgerliche Tag längst angebrochen. Im Parlament kämpfte die liberale Partei bereits für die Zulassung der Juden zu den Staatsämtern, eine Anmaßung, die auch bei den aufgeklärtesten Deutschen Entrüstung hervorrief. „Ich liebe die Juden, aber regieren will ich mich von ihnen nicht lassen“, schrieb zum Beispiel ein Mann wie Theodor Fontane damals an einen Freund.

Von Pferch und Helotentum spürte ich also in meiner Jugend nichts mehr. Auf der einen Seite hat man sich eingelebt, auf der anderen sich gewöhnt. Wirtschaftlicher Aufschwung begünstigte die Duldsamkeit. Ich erinnere mich, dass mein Vater bei irgendeiner Gelegenheit mit freudiger Genugtuung sagte: „Wir leben im Zeitalter der Toleranz!“ Das Wort Toleranz machte mir in Gedanken viel zu schaffen; es flößte mir Respekt ein, und ich beargwöhnte es, ohne dass ich seine Bedeutung begriff.

Mit einer Tafel am Gebäude des in den 1980er Jahren errichteten „City Centers“ erinnert Fürth heute an den berühmten Sohn der Stadt, dessen Geburtshaus im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Die Alexanderstraße heute, die heutige Nummer 13  (mit der Gedenktafel) und die gegenüberliegende Nummer 12: Die gleiche Fassade hatte auch das Geburtshaus von Jakob Wassermann.

 


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Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek

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