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Holzstich des Gemäldes "Einzug Kriemhilds in die Stadt Passau" von 1895

Passau, Altes Rathaus: Nibelungen-Gemälde

Es gibt mehrere Hinweise, dass eines der ältesten mittelhochdeutschen Epen, das Nibelungenlied, in Passau entstanden ist: Der Passauer Bischof Wolfger von Erla, der von 1191 bis 1204 amtiert, ist seinerzeit als eifriger Mäzen bekannt; sowohl die Ortskenntnis des Textes als auch die ungewöhnlich prägnante Figur des Passauer Bischofs Pilgrim – Wolfgers Vorgänger in den Jahren 971-991 – sowie das Übergewicht der frühen Überlieferung im süddeutschen Raum sprechen dafür, dass der Autor des Werks in Passau lebte und arbeitete oder sich in Passauer Kreisen bewegte.

Im Text selbst kommt die Stadt zweimal als Durchgangsstation vor. In der 26. Aventüre übernachten die Burgunder auf dem Weg in ihr Verderben in Passau. Zuvor, in der 21. Aventüre, macht Kriemhild hier Halt während ihrer Reise zu ihrem Bräutigam, dem Hunnenkönig Etzel, der eine wichtige Rolle in ihren Plänen, die Ermordung ihres ersten Mannes Siegfried zu rächen, spielen wird. Diese Szene aus dem Nibelungenlied stellt das Kolossalgemälde im Passauer Großen Rathaussaal im Alten Rathaus dar, das der Historienmaler Ferdinand Wagner 1892 vollendet:

Ueber die Donau kamen sie jetzt gen Baierland:
Da sagte man die Märe, es kämen angerannt
Viel unkunder Gäste. Wo noch ein Kloster steht
Und der Innfluß mündend in die Donau niedergeht,

In der Stadt zu Paßau saß ein Bischof.
Herbergen leerten sich und auch des Fürsten Hof:
Den Gästen entgegen giengs auf durch Baierland,
Wo der Bischof Pilgerin die schöne Kriemhild fand.

Den Recken in dem Lande war es nicht zu leid,
Als sie ihr folgen sahen so manche schöne Maid.
Da kos'ten sie mit Augen manch edeln Ritters Kind.
Gute Herberge wies man den Gästen geschwind.

Dort zu Pledelingen schuf man ihnen Ruh;
Das Volk allenthalben ritt auf sie zu.
Man gab, was sie bedurften, williglich und froh:
Sie nahmen es mit Ehren; so that man bald auch anderswo.

Der Bischof mit der Nichte ritt auf Paßau an.
Als es da den Bürgern der Stadt ward kund gethan,
Das Schwesterkind des Fürsten, Kriemhild wolle kommen,
Da ward sie wohl mit Ehren von den Kaufherrn aufgenommen.

Externe Links:

Digitalisat der 21. Aventüre in der Handschrift A

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