Info
Geb.: 7. 1.1888 in Altenstadt
Gest.: 19.10.1964 in Nesselwang
© Heilig-Geist-Stiftung Nesselwang
Namensvarianten: D’r Spitalherr

Franz Kampitsch

Der aus Altenstadt an der Iller stammende Pfarrer Franz Kampitsch ist von 1923 bis zu seinem Tod 1964 Benefiziat im geschichtsträchtigen Seniorenheim Heilig-Geist-Spital in Nesselwang. Die Gründung dieses Seniorenheims erfolgt unter dem Namen Spitalbenefizium schon 1503, „um alten und betagten Dienstboten, Tagelöhnern und sonstigen Arbeitern eine ruhige und sorgenfreie Zufluchtsstätte zu gewähren“.

Bei der Nessel­wanger Bevölkerung genießt Franz Kampitsch hohes Ansehen. „D'r Spitalherr“ gilt als beliebter Beicht­vater, vor allem bei den Ledigen, Verliebten und Verlobten, was ihm den Beinamen Sünden­schlucker ein­bringt. Über Atheisten sagt er: „Die wo glaubet, sie glaubet nix, die glaubet gar itt, was se alles glaubet“.

Benefiziat Kampitsch dichtet für weltliche und kirchliche Anlässe wie Hoch­zeiten, Jubiläen, Firmung, Bischofsbesuche und zum Totengedenken. Die Sterbebildchen der Nesselwanger Ver­storbenen versieht er mit einem Zweizeiler, was für die Angehörigen Trost bedeutet.

Benefiziat Franz Kampitsch lebt zusammen mit seinen beiden Schwestern bescheiden im Heilig-Geist-Spital. Sein großes Vorbild ist Franz von Assisi. Er ist ein naturverbundener Mensch, der fast täglich zum Kögelweiher wandert. Mit dem Wirt des Kögelhofs Engelbert Lipp und dessen Frau Pepi verbindet ihn eine tiefe Freundschaft. Vermutlich aus dem Jahr 1947 stammt sein Gedicht Auf dem Kögelhof über einen Besuch bei der befreundeten Familie. Bis heute gibt es in Nesselwang an der Stelle eine Ruhebank, wo Benefiziat Kampitsch auf seinen Wande­rungen zum Kögelhof Rast gemacht hat; sie trägt den Namen Franzensruh.

Die noch erhaltenen Gedichte des Benefiziats Franz Kampitsch, wie das humorvolle, in Mundart verfasste Der Bierkenner (1928) und die standardsprachlichen Gedichte Mein Wanderstock (1949), Farben des Allgäus, Mein Allgäu und Gruß aus dem Urlaub 1948 bewahrt der Nesselwanger Mundartpfleger Ludwig Hindelang auf.

Ebenfalls erhalten sind sein Alpspitz-Lied, der in Reimen gefasste Einakter Der Spitaler vor der Himmelstür und einzelne Anlassgedichte. Das 1925 geschriebene Gedicht Der Schreinermeisterin Senzi Geyer zum 40-jährigen Schreinerjubiläum hat Franz Kampitsch der Nessel­wangerin Kreszentia Geyer gewidmet, die im Jahr 1905 als erste Frau in Deutschland die Meister­prüfung im Schreinerhandwerk abgelegt hat.

Seine Gedichte und Lieder zeugen von der tiefen Verbundenheit des Benefiziats Franz Kampitsch zum Allgäu und den dort lebenden Menschen.

Verfasser: Digitaler Literaturatlas von Bayerisch Schwaben DigiLABS / Rosmarie Mair, M.A.


Externe Links:

Auf dem Kögelhof

Der Bierkenner

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