Info
Geb.: 26. 7.1709 in Wien
Gest.: 14.1.1778 in Ettal
Titel: Dr. iur. utr.
Namensvarianten: Karl Joseph Ignatius Rosner (Taufname)

Ferdinand Rosner

Karl Joseph Ignatius alias Ferdinand Rosner wird in Wien geboren. Nach dem Besuch des Piaristengymnasiums im niederösterreichischen Horn (1719-21) und der Ritterakademie im oberbayerischen Ettal (1721-26) legt er 1726 den Profess ab und studiert anschließend Philosophie am Ettaler Lyzeum. 1730 wechselt er an die Benediktineruniversität Salzburg, wo er sich dem Theologie- und Jurastudium widmet. 1733 zum Dr. iur. utr. promoviert, 1734 zum Priester ordiniert, wird Rosner in Ettal Poesie- und Rhetorikprofessor. In solcher Funktion wirkt er zwischen 1759-65 und 1769-75 am fürstbischöflichen Lyzeum in Freising und steht zugleich als Präses der Marianischen Kongregation vor. 1744-59 ist er außerdem Wallfahrtsseelsorger und Bibliothekar in Ettal.

Rosners vorwiegend lateinisches Werk ist für Gebrauchssituationen verfasst; es dient der Sprach- und Persönlichkeitsbildung seiner Schüler sowie der Seelenführung. Dabei greift er auf einen Grundstock humanistischen Gedankenguts, Historien und Legenden zurück. Von seinen ca. 40 lateinischen Schuldramen behandeln rund die Hälfte Historienstoffe, etwa zehn haben zudem eine biblische Parallelhandlung. Als „Pater Comicus“ beschäftigt sich Rosner mit der Abfassung von Schulkomödien, den sogenannten „Endskomödien“, die am Schuljahresende aufgeführt werden. Neben zahlreichen Predigtreden, 20 überlieferten, mit lateinischen Titeln versehenen deutschen Liedern, lateinischen Elegien und politischen Oden verfasst er außerdem kleinere Theaterstücke für die Fastnachtszeit.

Mit seiner Neufassung des Oberammergauer Passionsspiels, der Passio nova (1749/50), erlangt er literaturhistorische Bedeutung: obwohl in Oberammergau nur zweimal aufgeführt (1750/1760), wirkt der Text für die folgenden Jahrzehnte des bayerischen Passionsspiels nicht nur stilbildend, sondern stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg vom Schriftbairischen zum Neuhochdeutschen dar. Gattungsgeschichtlich bewegt sich Rosners Text zwischen dem jesuitischen theatrum asceticum und dem Volksschauspiel. Zum ersten Mal werden „Betrachtungen“ mit alttestamentarischen Präfigurationen („Vorstellungen“) vor den neun Akten („Abhandlungen“) zur Darstellung gebracht.

Weniger bekannt dagegen sind Rosners weitere Volksschauspiele, das Johannes-Nepomuk-Spiel in Murnau (1753) oder das Hermenegild-Spiel in Oberammergau (1776). Für seine Angleichung der Sprache an eine einheitlich deutsche Literaturnorm hat sich nicht zuletzt der bayerische Schulreformer und Benediktiner Heinrich Braun stark gemacht.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Koch OSB, Laurentius: Rosner, Ferdinand. In: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 93f., http://www.deutsche-biographie.de/pnd118749870.html, (31.12.2011).

Wimmer, Silvia: Rosner, Ferdinand. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Bd. 8 (1994), Sp. 714-716, http://www.bautz.de/bbkl/r/rosner_f.shtml, (31.12.2011).


Externe Links:

Literatur von Ferdinand Rosner im BVB

Literatur über Ferdinand Rosner im BVB

Werke bei zeno.org

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