Info
Geburtsjahr: 1246
Todesjahr: 1282
"Helmbrecht", nach einer Illustration aus dem Falkenbuch Friedrichs II. um 1260
Namensvarianten: Werner der Gärtner

Wernher der Gartenaere

Über Wernher, der seiner Sprache nach aus Bayern bzw. Österreich stammt, ist nichts bekannt, nur die Schlussverse seiner 1934 umfassenden und in zwei Handschriften überlieferten Verserzählung Helmbrecht bezeugen seinen Namen. In der einen Handschrift (Ambraser Heldenbuch, Hs. A) spielt die Handlung im ehemals bayerischen Innviertel: Am Ostufer der Salzach liegt gegenüber der Stadt Burghausen der Brunnen von Wanghausen, der in der Dichtung erwähnt ist. In der anderen (Hs. B) ist sie im österreichischen Traungau bei Linz angesiedelt. Der Beiname „der Gartenaere“ kann als Bezeichnung eines Berufs (Gärtner), der Herkunft (Garda) oder der Tätigkeit des bettelnden Herumfahrens (garten = betteln) gedeutet werden. Ein Fahrender ist Wernher allemal, klagt er doch, er werde nirgends so gut wie sein Held der Geschichte aufgenommen (vv. 840ff.).

Zwischen 1250 und 1280 hat Wernher seinen Helmbrecht wahrscheinlich geschrieben, als dessen weitere Eckdaten nur der Tod Neidharts (v. 217) sowie das auf den Helmbrecht anspielende XV. Gedicht des Seifried Helbling (1291/96) herangezogen werden können. Die Geschichte handelt von einem hoffärtigen Bauernburschen, der Ritter werden will und auszieht, dabei zum Räuber und Mörder wird, elendig verstümmelt als blinder Krüppel zurückkommt und von den Bauern, die er früher gequält hat, aufgehängt wird. Eine Quelle ist nicht bekannt; mögliche Grundlage könnte aber ein lateinisches Predigtexempel sein. Als Parabel, in der menschliches Fehlverhalten exemplarisch zur Darstellung kommt und beispielhaft die natürliche Gesellschaftsordnung als unantastbar gelten soll, wird der Helmbrecht gemeinhin verstanden.

Kern des Ganzen bildet der Gedanke des Tugendadels, dem sich der junge Helmbrecht widersetzt, weil er dem Vater gegenüber paradoxerweise den Standpunkt des Geburtsadels vertritt, während dieser eine im Mittelalter selten zu hörende Gesellschaftslehre verkörpert, wonach auch die Bauern eine eigene Würde besitzen, weil sie das Fundament der Gesellschaft bilden (vv. 543ff.). Entsprechend negativ wird die Wirklichkeit des zeitgenössischen Adels gezeichnet, was den Helmbrecht in seiner Aussage – neben Hugo von Trimbergs Der Renner – einmalig im 13. Jahrhundert macht.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Bumke, Joachim (20044): Geschichte der deutschen Literatur im hohen Mittelalter. Deutscher Taschenbuch Verlag, München, S. 283f.

Fränkel, Ludwig: Wernher, Wernher der gartenære. In: Allgemeine Deutsche Biographie 42 (1897), S. 77-80, http://www.deutsche-biographie.de/pnd118631551.html?anchor=adb, (22.03.2012).

Wimmer, Erich (1965): Wernher der Gärtner. Der Meier Helmbrecht. In: Dünninger, Eberhard; Kiesselbach, Dorothee (Hg.): Bayerische Literaturgeschichte in ausgewählten Beispielen I. Süddeutscher Verlag, München, S. 292-309.


Externe Links:

Literatur von Wernher der Gartenaere im BVB

Literatur über Wernher der Gartenaere im BVB

Meier Helmbrecht

Helmbrecht (Auszüge und Übersetzung)

Zur Kleiderordnung im Meier Helmbrecht

Bibliographie zu Wernher der Gartenaere

Nachdichtung Helmbrecht von Martin Schnick

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