Info
Geburtsjahr: 1270
abweichendes Datum: 1280
Namensvarianten: Albrecht

Albrecht von Scharfenberg

Der Dichter Albrecht von Scharfenberg ist lateinisch gebildet, seine Sprache ist bairisch oder ostmitteldeutsch.

Die Diskussion um ihn lässt sich fast ausschließlich auf den Aspekt zurückführen, ob er mit Albrecht, den Ulrich Fuetrer in seinem Buch der Abenteuer (1490) als Verfasser des Jüngeren Titurel nennt, identisch ist oder nicht. Kein Werk Albrechts von Scharfenberg hat sich primär erhalten, urkundlich ist er nicht bezeugt. Fuetrer stellt seine Kunst neben die Gottfried von Straßburgs und Wolframs von Eschenbach.

Zwar weisen Stoff, überlieferte Quellen und Abfassungszeit (2. Hälfte des 13. Jahrhunderts) auf eine mögliche Verfasseridentität hin, doch sollte man von zwei unterschiedlichen Dichterpersönlichkeiten ausgehen. Da Albrechts Werke nur durch Fuetrers spätmittelalterliche Umdichtung in Titurel-Strophen erhalten geblieben sind, ist ein stilistischer Vergleich mit dem gut überlieferten Titurel jedoch kaum nachweisbar.

Sicher scheint eine Zuordnung und Beurteilung der literarischen Leistung Albrechts dort, wo die Kenntnis von Fuetrers Bearbeitungstechnik eindeutig ist (Wolframs Werke, der Jüngere Titurel – vermutlich in der Handschriftengruppe II) und ein Vergleich der zugrundeliegenden altfranzösischen Quellen mit Albrechts Werk (Merlin) gezogen werden kann.

Im Merlin zeigt sich, dass Albrecht seiner französischen Vorlage ziemlich genau gefolgt sein dürfte. Albrechts Merlin ist eine freie Bearbeitung von Robert von Borons Merlin und der Estoire del Saint Graal und stellt bis ins 15. Jahrhundert hinein die einzige deutsche Bearbeitung des Merlinstoffes dar. Er erzählt die Vorgeschichte der Artusrunde und des Gralgeschlechts.

Das andere Werk Albrechts, dessen Zuschreibung mit Sicherheit angenommen werden kann, ist der Seifried de Ardemont. Seifried stellt die Beziehung zwischen Mensch (Seifried) und überirdischer Frau in den Mittelpunkt, deren Kern die durch Übertretung eines Verbots gestörte und in allen Kulturen zu findende sog. „Martenehe“ ist.

Die in der Nachfolge Wolframs stehenden Epen zeichnen sich durch ihren Kompilationscharakter aus, weisen auf die literarische Gattungsdurchdringung des 13. Jahrhunderts hin. Wie weit die Bearbeitung und Kenntnis höfischer Traditionen auf Fuetrer zurückgeht, muss allerdings offenbleiben.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Dünninger, Eberhard; Kiesselbach, Dorothee (Hg.): Bayerische Literaturgeschichte in ausgewählten Beispielen I. Süddeutscher Verlag, München, S. 45-47.

Huschenbett, Dietrich (19782): Alfred von Scharfenberg. In: Keil, Gundolf; Ruh, Kurt; Schröder, Werner u.a. (Hg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Bd. 1. De Gruyter, Berlin u.a., S. 200-206.

Rosenfeld, Hellmut: Albrecht von Scharfenberg. In: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 178f., http://www.deutsche-biographie.de/pnd11850164X.html, (21.02.2012).


Externe Links:

Literatur von Albrecht von Scharfenberg im BVB

Literatur über Albrecht von Scharfenberg im BVB

Albrecht von Scharfenberg in der BLO

Kommentare

Bernhard M. Baron am 22.07.2014 um 12:54

Allgemein wird vermutet, dass Albrecht von Scharfenberg aus der Oberpfälzer Adelsfamilie "von Scharffenberg" abstammt, die einst auf Burg Scharfenberg unweit der heutigen Gemeinde Ursensollen/LKr. Amberg residierten. Vgl. Homepage der Gemeinde Ursensollen/LKr. Amberg: www.ursensollen.de/page_2_11.php



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