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Geburtsjahr: 1240
Codex Manesse, UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, fol. 120v: Meinloh von Sevelingen.

Meinloh von Sevelingen

Über Meinlohs Leben ist nichts bekannt. Dass er mit dem um 1240 bezeugten Ministerialen der schwäbischen Grafen von Dillingen, „Meinlohus de Sevelingen“, identisch ist, ist wenig wahrscheinlich. Der Dichter dürfte eher ein Vorfahre des besagten Meinlohus sein ─ stilgeschichtliche Merkmale seiner Strophen legen dies nahe. Nachgewiesen ist ein Geschlecht derer von Söflingen bei Ulm urkundlich seit 1220.

Meinloh darf als Vermittler zwischen dem altbayerischen Osten und der neuen Richtung des hohen Minnesangs im staufischen Schwaben gesehen werden. Während der frühe sog. „donauländische Minnesang“ (um 1150-1170/80) in erster Linie im damaligen Ostbayern beheimatet ist, zu dessen Raum die Grafen von Dillingen Beziehungen haben, leitet Meinlohs Minnesang bereits über zur Epoche der ritterlichen Minnelyrik, die im staufischen Schwaben bald nach dem berühmten Mainzer Pfingstfest von 1184 beginnt. Neben Motiven des frühen Minnesangs wie verborgene Minne, direkte Werbung, Klage über die „Merker“ und Frauenrivalität gibt es bei Meinloh bereits hochhöfische Anklänge wie die Dienstbereitschaft des Sängers an die Dame, die preisende Überhöhung der Frau und die Läuterungsfunktion der Minne.

11 bzw. 14 Strophen sind von Meinloh schriftlich überliefert. Während sich bei ihm ein theoretisches Element in der Minnereflexion abzeichnet, ist die formale Gestaltung seiner Strophen eindeutig der frühhöfischen Phase zuzuordnen. Meinloh hat fast ausschließlich Langzeilenstrophen gedichtet; zwei Kanzonenstrophen unter seinem Namen in der Manessischen Liederhandschrift werden meistens mit Reinmar dem Alten in Verbindung gebracht. Insgesamt finden sich vier Strophentypen, von denen drei Varianten einer Grundform aus paargereimten Langzeilen aus je zwei Vierhebern sind: sechszeilige Strophen ohne Steg, sechszeilige Strophen mit Steg sowie eine Strophe aus acht Langzeilen.

Drei Liedgattungen kommen zum Einsatz: Mannesstrophen, Frauenstrophen und Botenstrophen. Der Wechsel, eine für den Minnesang des 12. Jahrhunderts typische Strophenkombination, tritt bei Meinloh in erweiterter Form auf. Zwar bilden die Strophen in sich geschlossene Sinneinheiten, die Forschung verfolgt aber verschiedene Reihungstypen: thematisch zusammenhängende Kleinzyklen aufgrund der überlieferten Reihenfolge in den Handschriften (Schweikle), Anordnung zu einem zyklischen „Minneroman“ oder Fügung nach Strophenformen ─ gemäß der üblichen Geringschätzung der handschriftlichen Abfolge in der älteren Minnesangphilologie (vgl. Ausgabe Des Minnesangs Frühling).

Die minnedidaktischen Strophen I 3/4 und II 1 haben spruchhaften Charakter und handeln von verborgener Minne, die Frauenstrophen I 7/8 und II 2 drücken die archaische Minnevorstellung von sexueller Erfüllung („bîligen“) aus. Obwohl es bei Meinloh bereits das „trûren“ (14,26) gibt, aus dem sich der Sänger in eine Gedankenwelt zurückzieht („trûre mitgedanken“, 12,29), ist die frouwe mit Ausnahme in den Stollenstrophen nicht als abweisende Minneherrin gekennzeichnet. Ratschläge für erfolgreiches Werben werden in den sog. Minnesprüchen (12,1; 12,14; 14,14) formuliert. „Das Zusammenspiel der gegensätzlichen Elemente, das Neue in Thematik und Stil neben dem alten Formen- und Motivbestand, macht den besonderen Reiz der Minnelyrik M[einloh]s aus und verdeutlicht die im Medium Minnesang angelegten Möglichkeiten zu Variation und Innovation schon in seinen Anfängen.“ (Claudia Händl)

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Händl, Claudia: Meinloh von Sevelingen. In: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 677, http://www.deutsche-biographie.de/pnd100964648.html, (11.05.2014).

Händl, Claudia (2010): Meinloh von Sevelingen. In: Verfasser-Datenbank. De Gruyter, Berlin und Boston. URL: http://www.degruyter.com.vdbo.emedia1.bsb-muenchen.de/view/VDBO/vdbo.killy.4258, (11.05.2014).

Pörnbacher, Hans (2002): Schwäbische Literaturgeschichte. Tausend Jahre Literatur aus Bayerisch Schwaben. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn, S. 38f.

Schweikle, Günther (1987): Meinloh von Sevelingen. In: Verfasser-Datenbank. De Gruyter, Berlin und Boston. URL: http://www.degruyter.com.vdbo.emedia1.bsb-muenchen.de/view/VDBO/vdbo.vlma.2854, (11.05.2014).


Externe Links:

Literatur von Meinloh von Sevelingen im BVB

Literatur über Meinloh von Sevelingen im BVB

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Nachdichtungen

Die vier „Musensöhne“ am Söflinger Gemeindebrunnen

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