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Geb.: 15. 7.1925 in Oberreute
Todesjahr: 2003 in Lindenberg
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Heinrich Wiedemann

Heinrich Wiedemann wird 1925 in Oberreute im Landkreis Lindau im Bodensee geboren. Er besucht das Gymnasium in Lindenberg und wird im Zweiten Weltkrieg zum Militär eingezogen. Seine Erfahrungen der Kriegsgefangenschaft in der russischen Taiga und im Todeslager Lubjanka, die er nie verkraftet, fließen ein in dem Prosawerk Nahe Heimat / Fernes Sibirien. Unbeschwerte Kindheit auf Löwenzahnwiesen, verlorene Jugend im Krieg (2001), aber auch in Haiku-Gedichten.: „Am Stacheldrahtzaun / blieben die Jugendjahre / in Fetzen hängen“.

Nach dem Krieg wird Heinrich Wiedemann Förster – seit 1965 bis zu seiner Pensionierung ist er als Forstamtsleiter bei der Bayerischen Staatsforstverwaltung in Röthenbach und Lindenberg im Allgäu tätig. Für seinen Einsatz für den Wald, der sich auch in Publikationen zum Thema Wald und Natur (Waldführer durch das westliche Allgäu, 1969) niederschlägt, wird er vom Bund Naturschutz mit der Karl-Gayer-Medaille ausgezeichnet. Sein soziales Engagement wiederum drückt sich in zahlreichen Briefen an Regierungen aus, die er als Mitglied von Amnesty International, Terre des Hommes und Greenpeace schreibt.

Auf literarischem Gebiet tritt er mit Gedichtbänden (Zwischen Licht und Dunkel, 1962), lyrischen „Streifen“ (Machtwechsel, 1973; Am Mast meiner Jahre, 1992; Spurensuche, 1997) sowie Veröffentlichungen in Anthologien, Zeitungen und Zeitschriften hervor, darunter Menschen im Schatten (1972), Quer (1974) und Funkenflug (1975). Seine Gedichte im Westallgäuer Dialekt werden teilweise in den Westallgäuer Heimatblättern gedruckt. Viele seiner Haiku-Gedichte sind übersetzt, u.a. ins Albanische und Koreanische.

Die japanischen Versformen des Haiku, Senryu und Tanka macht Heinrich Wiedemann im Allgäu besonders populär. Seine Gedichte, Erzählungen und Aphorismen (Gedankenfurchen, 1987; Schattennetze, 1988) sind „nicht zuletzt ein Denkmal seiner tief verwurzelten Liebe zur Natur, zu der landschaftlichen Schönheit und den Menschen seiner Heimat“, so Wiedemanns Tochter Silvia anlässlich der Beerdigung ihres Vaters.

Als Mitglied der Salzburger Schriftstellervereinigung erhält Wiedemann 1969 den Literaturpreis „Silberne Rose“. Er ist bislang der einzige Schriftsteller, der den Kulturpreis der Stadt Lindenberg (1995) zugesprochen bekommt. 2003 ist er Preisträger des letzten „Haiku-Preises Zum Eulenwinkel“.

In den letzten Jahren seines Lebens erblindet der Schriftsteller. Seine Texte werden von anderen aufgezeichnet, worüber Wiedemann resümiert: „Schreiben, wenn ich könnt. / Mein Geschriebenes lesen. / Ich wär wieder Mensch.“

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

http://www.all-in.de/nachrichten/lokales/Tief-verwurzelte-Liebe-zur-Natur;art26090,190738, (29.06.2015).

Buerschaper, Margret (2003): Heinrich Wiedemann: Ein Porträt. In: VJS 16. Jg. Nr. 62, September, S. 24-27.

Layer, Adolf (1977): Biera ond Zelta. Schwäbische Mundartgedichte aus zwei Jahrhunderten. Mit einem Geleitwort von Arthur Maximilian Miller (Beiträge zur Landeskunde von Schwaben, 4). Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn, S. 446 u.ö.


Externe Links:

Literatur von Heinrich Wiedemann im BVB

Laudatio zum Haiku-Preis Zum Eulenwinkel

Deutsche Haiku-Gesellschaft e.V.

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