Schaubude (1946-1980)

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Liliputanerbude des Circus Busch auf dem Oktoberfest 1927. Fotosammlung, ZBE_B0057 (Stadtarchiv München)

Daß eine Bude, die des Lachens wegen erbaut wurde, zum Tempel erhoben wird, das spricht für die Lebensbejahung im allgemeinen und für Tempel im besonderen. Die Besucher, die an der Kasse stehen, haben ihr Lachen mehr oder weniger bei sich.(...) Und jetzt sind sie da! Konvex, konkav, gewellt, in die Weite gezogen, dickbauchig, unter- und übertreibend. [...] Und die Seele löst sich in wirbelndem Lachen, das durch die Zeltwand dringt und als ansteckende Gesundheit über die weite Wiese tanzt [...]

Ernst Hoferichter: Das schönste Volksfest der Welt, 1958. In: Mein bayerisches Leben. Langen Müller Verlag, München 1972, S. 263f.

 

Lange Zeit war sie die Attraktion der Attraktionen. Ihr Name wechselte. Aber er erinnerte doch immer an ein alkoholfreies Erfrischungsgetränk. Der Ausruf „Schwebende Jungfrau“ als Beruf und Neigung trägt alle Zauberkraft schon in den zwei Worten aufgespart. Vom Adjektiv zum Subjektiv steigert sich die Neugierde – und beide zusammen ergeben eine Sachverhalt, der schwindelig macht wie die Achterbahn. Das Unmögliche wird hier zum Ereignis - und so besteige ich mit meinem Freund Alois Loichinger die Treppe zum Palaste. Leicht gewickelt und nur mit Deckblatt versehen, hebt sich auf der offenen Bühne die Dame empor. Sie schwebt durch brennende Reifen – und man kann es fast hören, wie sie die Gesetze der Schwerkraft zerbricht, die uns alle binden. Dazu schläft sie – und weiß von nichts. Und daß sie nie im Leben zum Zuschauer ihrer Genialität werden kann, das ist ihr einziger Fluch [...]

Ernst Hoferichter: Die Straße der Abnormitäten. In: Bayrischer Jahrmarkt. Langen Müller Verlag, München 1959

 

Wir entscheiden uns für Schnebelis Großetablissement. Das ist unter den Schaustellungen etwas Ähnliches wie Mixed Grill unter den Gerichten: es wird hier das Verschiedenste in einem Zuge serviert. [...] Feuerfresser, Magier, Affen, die dickste Dame, der größte Riese, der kleinste Zwerg, Wahrsagerin mit Kater, Entfeßlungskünstler, Tomahawkwerfer, Meisterschützen - ein wirklich   reichhaltiges und aufregendes Programm.

Ernst Heimeran: Auf der Festwiese. In: Familienalbum. Heimeran Verlag, München 1951, S. 163

 

Wir fanden eine langgestreckte Bude, auf deren Wände neben kakaobraune Muskelmänner verführerisch entkleidete Mädchen in Seifenfarben gemalt waren – [...] Quer über die Schaubude lief ein von roten elektrischen Glühbirnen eingefaßtes Schild „Kraft und Schönheit“ und auf einem angelehnten Plakat stand das Programm zu lesen: „Original Tarzan, der Urwaldmensch“, „Sulamith, das blaue Weib (Jugendverbot)“, „Breithaupt, der Eisenkönig“, „Bimbo und Bombo, die lustigen Vagabunden“, „Orientalische Haremsnächte??? (Pikant, spannend, erregend! Nur abends!)“. „Da gehen wir nicht rein“, entschied ich. „Ich geh doch rein“, sagte Wera.

Hugo Hartung: Wir Wunderkinder. Der dennoch heitere Roman unseres Lebens. Droste Verlag, Düsseldorf 1957

Verfasst von: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek